„Voll Zuversicht, die Gasse wieder aufzufinden,
So mich zurück zur Herberg führen thät,
Schritt ich die Häuserreihen still vorüber,
Um nicht zu wecken, denn es schien mir spät;
War aber in dem Dunkel nichts zu wollen!
Nur ferne Blitze und des Donners Rollen.”
„Ein halbes Stündlein vielleicht war drob hingegangen,
Da brach das Wetter los mit aller Macht;
Ich suchte schirmend Obdach zu erspähen,
So oft ein Blitz durchbrach die schwarze Nacht,
Und endlich sah ich, unfern mir, zur Linken,
Ein Heil’genbild in einer Nischen winken.”
„In solchem Schirmen durfte ich mich sicher wähnen,
War doch die Nische selbst noch unter Dach;
Gelassen sucht’ ich ein behaglich Plätzchen
Und sann zufrieden meinem Glücke nach,
Derweil die Blitze grell den Himmel sengten
Und schwere Wolken überm Städtlein drängten.”
„Bald träumte ich gar süß von einem sel’gen Leben,
Das mir die Zukunft wies in goldnem Schein.
Mein fahrend Dasein hatt’ ich aufgegeben,
Sah hier am Orte schon ein Nestlein mein;
In welchem thät als Hausfrau lieblich walten,
Das Mägdlein, so ich heut’ im Arm gehalten.”
„Doch, während so ich träumte, ward das Wetter böser,
Die Fenster klirrten, da und dort ward’s hell,
Auch eine Wetterglocke hört’ ich läuten;
Die Donnerschläge folgten sich gar schnell.
Mich aber kümmerte kein Blitzezucken,
Durft’ unter gutem Schirme mich ja ducken!”
„Da schoß mit einem Mal ein Meer von gelben Flammen.
Herunter auf des Städtleins Giebelreihn,
Von unheimlichem Knattern arg begleitet;
Draus lohte hoch ein rother Feuerschein,
Dem lautes Schreien folgte, so mir kündet,
Daß in der Stadt des Wetters Strahl gezündet!”
„Bald wogte lautes Treiben durch die finstern Gassen,
Man konnte kaum sein eigen Wort verstehn;
Die einen schleppten Leitern, andre Eimer,
Mit denen sie in Hast zum Brunnen gehn,
Indeß am Himmel eine Feuergarbe
Auf Meilen leuchtete in rother Farbe.”
„Jetzt lockt’ auch mich der Böse aus dem sichern Winkel!
Ich ließ den guten Heiligen im Stich
Und trabte, gleich des Städtleins bestem Burger,
Zur Löscharbeit fast außer Athem mich;
War freilich unnütz, daß ich also rannte,
Da ich den Pelz dabei mir arg verbrannte!” —
„„Thu’ einen Schluck, Gesell, und dann bericht’ uns weiter,””
Sprach zum Erzähler hier der Wasserstelz.
Der Spielmann nahm den Krug, von Kunz geboten,
Und leerte ihn, mit einem „Gott vergelts!”
Zum Staunen Aller fast in einem Zuge,
Als ob nur etlich Tröpflein in dem Kruge.
„Am Aermel sich die nassen Lippen trocken wischend,
Fuhr drauf er fort: „So flog ich denn dahin,
Nicht achtend auf das Wirrsal in den Gassen,
Daß fast der Erste ich beim Feuer bin.
Hoch schwang ich einen Eimer in den Händen,
Die Flamme leckte schon an allen Wänden.”