„Doch lieber hätt’ ich mir die Zunge abgebissen,
Eh’ ich die Holde meinethalb verrieth.
Ich schwieg also und ließ mich weiter martern,
Stumm wie ein Wild, das keinen Ausweg sieht.
Bist hin! dacht’ ich, und hast nur zu errathen,
Ob sie dich hängen werden oder braten!”

„Als sie jetzt sahen, daß ich Nichts verlauten lasse,
Da hielten sie mit Foltern endlich ein
Und gaben etwas Ruh’ dem armen Körper,
Sich zu erholen von der schweren Pein;
Auch, daß ich mich dem Rathe zeigen konnte,
Wenn der sein Urtel mir zu staben gonnte.”

„Zum Sterben elend, saß ich nun in meinem Loche
Und sann, auf feuchtem Lager, für mich hin,
Voll Sehnsucht auf mein letztes Stündlein harrend:
Ach, wenn ich nur des Leidens ledig bin,
Das mir mein traurig Dasein aufgebunden
So bleibt es gleich, was für ein End ich funden...!”

„Doch während solchem Harren heilten meine Wunden;
Dem Schlaf, so lang entbehrt, sank ich in Arm;
Ich schwang mich, träumend, mit der Maid im Reigen,
Ihr rothes Mündlein küßte mich so warm.
In trautem Plaudern kos’ten wir zusammen,
Bis ringsum stand die ganze Welt in Flammen!”

„Der Kette Klirren aber störte meinen Schlummer
Und ich besann mich, daß nur Traum und Schaum,
Was statt des Mägdleins mich jetzt oft umkos’te.
Entsetzen packte mich im Kerkerraum;
Ich rang mir wund die kaum geheilten Hände
Und flehte stöhnend um ein schnelles Ende.”

„Solch ein Erwachen war viel tausendfaches Leiden,
Verglichen mit der Folter argem Schmerz,
In hellem Wahnsinn riß ich an der Kette,
Die Kraft versuchend an dem harten Erz;
Ich war zu glücklich wohl im Traum gewesen,
Als daß ich, wach nun, davon konnt’ genesen.”

„So quälte ich mich wochenlang, bis eines Morgens
Erschlossen ward die Thüre und parat
Ein Weibel stund, umgeben von den Schergen,
Die mich begleiten mußten vor den Rath.
Im Sonnenschein lief Volk in allen Gassen.
Ich, schier geblendet, wankte durch die Massen.”

„Die Herren saßen ernst auf schön geschnitzten Siedeln
Und sahen finster blickend auf mich her;
Der Wasenmeister mußte rückwärts treten,
Daß frei ich stand mit meiner Kette schwer.
Dann fing man zu verklagen an, zu fragen;
Ich mußte ihnen nochmals alles sagen.”

„Geduldig gab ich Red’ und Antwort ihren Fragen,
Erzählte alles wahr und unverwandt;
Die Herren aber machten strenge Mienen,
Als ich zum Schlusse keine Schuld bekannt.
Da bat ich denn, mein Urtel schnell zu sprechen
Und über mich nur gleich den Stab zu brechen!”

„Nun flogen Red’ und Widerrede hin und wieder,
Gar manches fremde Wort kam mir zum Ohr;
Schon stand ich lange, ihres Spruchs gewärtig,
Da trat ein altes Männlein langsam vor.
Man sah ihm an, das Gehen ward ihm schwierig,
Auch schwiegen Alle, auf sein Wort begierig.”