„Ein andrer rief, die Schuld sei unerwiesen, daher
Am besten auch, sie ließen mich gleich gehn,
Daß nicht des Städtleins Säckel erst noch Kosten
Für solchen Strolches Unterhalt entstehn;
Nur sollten vorher sie mich schwören lassen,
Zu meiden fortan Banngebiet und Gassen.”

„Da nun das Männlein sah, daß nicht sie einig würden,
Erhob es sich vom Stuhl mit ernstem Mund
Und sprach: Wenn trotz dem Schwure der vier Zeugen
Ich doch verdächtig scheine noch zur Stund’,
So sollte man auch hier nach Recht verfahren,
Und damit Zeit und unnütz Reden sparen!”

„Und das geschah denn auch. Die Räthe wurden stille;
Auf wohlverstandnen Wink des Schultheiß schob
Der Freimann wenig sanft mich aus dem Saale.
Wie Nebel war’s, was meinen Blick umwob,
Denn, schwach gemacht vom Foltern und vom Fasten,
Fühlt zentnerschwer ich meiner Fesseln Lasten.”

„Die Spannung, zu erfahren, was sie nun beschlössen,
Hielt aufrecht mich indessen drauß’ im Flur,
Und immer stärker kam mir der Gedanke:
Sie werden los mich geben mit dem Schwur,
Ihr Banngebiet auf ewig zu vermeiden;
Was ich geschworen hätt’ mit tausend Eiden.”

„Dazwischen gab es von des Wasenmeisters Knechten
Noch manchen Puff, weil’s nicht zum Galgen ging,
An den sie mich so gern gehangen hätten;
Doch achtete ich solches nur gering;
Mein Trost war ja, es kann nicht lang mehr dauern,
Bis hinter mir des Städtleins Thor und Mauern.”

„Gleich einer Schnecke langsam, schlich die Zeit von hinnen;
Fast däuchte mich, daß drinnen sie im Saal
Mit meinem Spruche gar nicht fertig würden;
Es schuf die Ungeduld mir harte Qual.
Jung Blut hat eben wenig Zeit und Weile,
Hofft, daß Erfüllung gleich den Wunsch ereile!”

„Da endlich ward des Saales Thüre aufgerissen,
Ein Büttel rief den Wasenmeister an,
Mich wiederum dem Rathe vorzuführen;
Er selbst ging stolzen Schrittes uns voran.
Der Freiheit mich schon freuend in Gedanken,
Trat leichtern Sinn’s ich dies Mal vor die Schranken.”

„Wie vorher winkte jetzt der Schultheiß seinem Schreiber,
Der gleich darauf mit wichtigem Gesicht
Und feierlichem Ton begann zu lesen;
Doch was er las, verstand ich leider nicht,
Am Schluß nur hieß es: aus sothanen Gründen
Sei Deliquent das Urtel zu verkünden.”

„„Dem Rubrikaten ist früh, nach dem Hahnenkrahte
Vom Freimann morgen vor der Rathhaus-Wacht,
Der Galgen auf dem Nacken einzubrennen,
Daß er hinfüro kanntlich sei gemacht, —
Nach solchem aber mittelst Ruthenhieben,
Von wegen Rechtens aus dem Thor zu schieben.””

„Schier sank ich hin ob diesem allzuharten Urtel;
Man forderte dafür noch meinen Dank,
Weil mich der Rath so gnädig angesehen,
Daß morgen schon ich würde frei und frank.
Mein leiser Fluch mocht’ ihnen dafür gelten,
Denn bessern Dank verdienten wohl sie selten.”