„„Letz’ Deine trockne Kehle wieder, alter Weinschlauch!””
Fiel hier Herr Heinz dem Spielmann nun in’s Wort,
„„So Du nicht fabelst, bist ein braver Kerle,
Wenn sie Dir auch den Braten arg geschmort;
Manch einer hätt’ das Mägdlein angegeben,
Eh’ halb so viele Pein er mocht’ erleben!””

Und hastig griff der Spielmann nach dem vollen Kruge,
So Kunz ihm rasch auf Elsbeths Wink gereicht;
Erschüttert von des Sängers bösem Schicksal,
Ward erst, als der nun schwieg, ihr wieder leicht
Und ging sie flink daran, mit eignen Händen
Ein gut Stück Schinken ihm und Brod zu spenden.

Der Spielmann ließ sich’s schmecken; unterdessen aber
Ward leis am Tische ein Gespräch geführt,
In welchem Elsbeth für den Sänger kämpfte,
Weil deß’ Erzählung sie gar tief gerührt;
Indessen Adelgunde ihm gar wenig traute,
Ja, in dem Ganzen nur ein Mährlein schaute.

Derweilen wurde Jener mit dem Essen fertig
Und bat von neuem nun den Vogt um’s Wort;
Doch schien’s, als ob der Zweifel leis ihn kränkte,
Denn also spann er die Erzählung fort:
„Würd’ meinen Nacken nicht das Dreibein zieren,
So glaubt’ ich selbst manchmal zu fabuliren!”

„Ist aber nur die Wahrheit, was mein Mund gesprochen!
Zwar weiß ich auch gar manche schöne Mär,
Zur Kurzweil holder Frauen ausersonnen,
Drob ihres Beifalls ich gar sicher wär.
Doch, mit Vergunst! Glaub’ nicht, Ihr werdet schmählen,
Weil ich gewagt, Erlebtes zu erzählen.”

„Nicht immer lüstet es den Sinn, rückwärts zu schweifen;
Verwichen Leid und Freud’ mit lautem Wort
Der Welt zu schildern, daß auch sie erfahre,
Was sonst wir bergen am geheimsten Ort.
Dann kommt es wieder, daß wir minder zaudern,
Von allem, was uns auf dem Herzen, plaudern.”

„Wie schon erzählt, hatt’ ich den Schritt zum Wald gerichtet;
Dort warf ich mich todmüde in das Gras.
Von Durst und Schmerzen aber arg gepeinigt,
Ging lange es, eh’ ich des Schlafs genas;
Nur nach und nach sang mich der Wald in Schlummer:
Ich fühlte endlich weder Schmerz noch Kummer.”

„Weiß, nimmer recht, wie lange ich geschlafen hatte,
Als es mich dünkte, eine zarte Hand
Glitt sammetweich mir über Stirn und Wangen;
Es war so angenehm, was ich empfand,
Daß, in der Angst, mein Traumglück zu verjagen,
Ich es vermied, die Augen aufzuschlagen.”

„Dann war es wieder, als ob kleine, weiche Finger
Mir glätteten das wirr zerzauste Haar,
Und, selig, fühlte ich auf meiner Stirne
Den warmen Druck von frischem Lippenpaar.
Ich konnt’ mich kaum noch halten vor Entzücken;
Doch, daß ich wachte, sagte mir mein Rücken.”

„So lag ich lange, wie durch Zauberbann gebunden,
Indeß’ der Schlaf sich mälig ganz verlor,
Als es auf einmal meinen Namen hauchte
Mit süßer Stimme und bekannt dem Ohr;
Wie warmer Odem streift es meine Wangen:
Das war kein Traum, was mich so hold umfangen.”