„Nun thät es nichts mehr batten, mußt’ die Augen öffnen.
Und was ersah ich? Meine traute Maid,
Sie knie’te dicht zur Seite mir im Grase;
Ich kannte gleich ihr braunes Linnenkleid.
Von meines Glückes Uebermaß bezwungen,
Hielt wortlos ich die Liebliche umschlungen!”

„Bald aber überkam mich ein schier seltsam Rühren
Ob ihrer Liebe, die so heldengroß
Mir auch die Treue zeigte, und ich schluchzte,
Gleich einem Kinde in der Mutter Schooß,
Um stets auf’s neu’, in seligem Vergessen,
Den Mund fest auf ihr Lippenpaar zu pressen.”

„So tauschten wortlos wir denn ungezählte Küsse,
Versenkte sich erglühend Blick in Blick;
Derweil ihr Antlitz ungefragt mir sagte,
Daß es sich blaß gehärmt um mein Geschick.
Wie konnt’ ich süßer lohnen denn die Schmerzen
Ihr anders, als von neuem sie zu herzen?”

„Doch wer vermöcht’ die Seligkeit mir nachzufühlen,
So ich empfand an meines Mägdleins Brust?
Die Engel vielleicht, wenn sie nicht uns neiden
In ihrem Paradiese um die Lust,
Die reine Herzen an einander finden,
Wenn sie in treuer Minne sich verbinden!”

„Zu bald nur wand die Holde sich aus meinen Armen
Und frug mich ängstlich: „„Joseph, kannst Du gehn?””
Es strich die Hand dabei durch meine Locken,
Wie leise Lüftlein durch die Saaten wehn.
Mir aber kam nun die Erinn’rung wieder,
Und traurig wies ich auf die wunden Glieder.”

„Da beugte, tief erröthend, sie sich auf die Seite
Und hob ein kleines Bündel aus dem Gras;
’s war bald geöffnet und ich schaute staunend,
Wie nun zum Vorschein kamen Krug und Glas.
Das letztre füllte sie und ließ mich nippen;
Es war gleich Balsam für die heißen Lippen.”

„Den wunden Nacken aber kühlte sie mit Wasser
Aus einem Bach, der nah vorbei gerauscht.
Mit trunknen Blicken sucht ich ihr zu lohnen,
So oft das Tüchlein frisch sie umgetauscht,
Und wäre Wochen lang gern krank gelegen,
Nur, daß die Gute meiner sollte pflegen.”

„Dazwischen fütterte sie mich aus ihrem Bündlein,
Zufrieden lächelnd, als sie sah, wie’s schmeckt’;
Es sagte mir ihr herzig klingend Plaudern,
Daß heute früh sie sich im Wald versteckt,
Um, voller Sehnsucht, nach mir auszusehen,
Bis mich ihr Blick von Weitem konnt’ erspähen.”

„Als ich die müden Schritte dann zum Walde lenkte,
Sei still sie mir gefolgt mit zagem Schritt,
Dem sanften Schlummer gern mich überlassend,
So lange meine Sicherheit dies litt.
Nun aber mahne dringend sie zur Eile,
Weil ich noch immer in dem Stadtbann weile.”

„Aus meinem Glücke aufgescheucht, sah ich nun selber,
Wie nah’ die Sonne schon dem Niedergehn;
Doch zugleich schaute ich auch reisefertig
Die Traute selber mir zur Seite stehn.
Hei! sprang ich Euch empor und ihr an’s Herze,
Als ob ich dagelegen nur zum Scherze!”