„Voll Ernst doch wehrte sie des Mundes heißem Kusse,
Und machte sich aus meinen Armen frei,
Mich eifrig mahnend an die Flucht zu denken;
Denn wenn mich morgen nach dem Hahnenschrei,
Die Burger noch in ihrem Weichbild fingen,
So sei es sicher, daß sie doch mich hingen.”
„Da schwur ich ihr bei allen Heiligen des Himmels,
Wie ich sie nimmermehr verlassen könnt’,
Seit mir gewißlich worden, daß das Schicksal
Mir ihrer Liebe süßes Glück gegönnt;
Ich wollte eher Schmach und Tod erleiden,
Als sie im Leben fortan nun zu meiden.”
„Mit dunklem Rothe auf den zarten, lieben Wangen,
Bekannte traurig sie in leisem Wort,
Daß wohl auch ihr der Rückweg nicht mehr fromme,
Und sie mir folgen müßt’ von Ort zu Ort;
Was noch sie flüsterte, mocht’ kaum ich fassen,
Ich fühlte nur, sie wird mich nicht verlassen.”
„In langem Kusse wollte ich’s der Lieben lohnen,
Die aber hat ein ernst Gesicht gemacht
Und drängte wieder, endlich aufzubrechen,
Daß fern wir seien, wenn der Tag erwacht.
„„Der Vollmond,”” schloß sie, „„kommt zu guten Zeiten,
So daß wir sicher auf dem Waldpfad schreiten.””
„Und nun, nicht weiter von mir einer Antwort wartend,
Schlug um das Bündlein sie ein festes Band
Und schwangs, ein heimlich Thränlein trocknend,
Zum Gehen fertig, in der linken Hand;
Derweil sie mit der Rechten mich wollt’ stützen,
Auf holprigrauhem Pfad vorm Fall beschützen.” —
„Hätt’ nie gedacht, daß Liebe halb so viel vermöchte,
Wie ich, voll Staunen, damals es geschaut.
Begleitet von der Hoffnung goldnen Sternen,
Aus welche sie ihr künftig Schicksal baut,
Kehrt froh die Jungfrau Heim und Haus den Rücken,
Um, wen sie wählte, liebend zu beglücken!” —
„Das Abendroth vergoldete der Bäume Wipfel,
Als wir uns endlich auf den Weg gemacht.
Zwar ging es langsam nur mit meinen Schritten,
Doch dämpfte mir den Schmerz die kühle Nacht;
Auch kam der Mond mit seinem lieben Lichte,
Den Pfad uns weisend durch des Forstes Dichte.”
„Wie wir so fürbas zogen, lauschte ich der Treuen,
Die nun erzählte, wie sie fleht’ und bat
Den Oheim, jenes alte, strenge Männlein,
So für mich Zeugen forderte vorm Rath,
Für meine Unschuld doch ein Wort zu sprechen,
Daß nicht sie ungehört den Stab mir brechen.”
„Seit lange Waise, wohnte sie beim Ohm im Hause
Und hielt sie dieser wie sein eigen Kind;
Doch solcher Bitte wollt’ er nicht willfahren,
Denn fahrend Volk war ihm nur schlimm Gesind.
Er hieß die Maid ein Gänslein, so da schnattert,
Was Abends es am Brunnen hätt’ ergattert.”
„Da warf sie sich in Thränen vor dem Oheim nieder
Und beichtete, indem sie ihm gestand,
Daß ich es war, der sie nach Hause führte
Und dabei wohl den Rückweg nimmer fand;
Da leicht zu irren auf den dunklen Wegen,
Auch ziemlich fern der „güldne Kranz” gelegen.”