„So plaudernd schritt sie neben mir auf rauhem Pfade,
Indessen still ich ihren Worten lauscht’;
Sie drängte vorwärts, wollte nimmer rasten,
Bis endlich nah die Donau uns gerauscht.
Es war noch früh, fing eben an zu dämmern;
Im Walde hörten wir die Spechte hämmern.”

„In meinem ganzen Leben sah ich keinen Morgen,
Der schöner war und freundlicher gelacht
Hatt’ mir der Sonnenstrahl noch niemals vorher;
Nur gab ich darauf jetzt zu wenig Acht,
Sah lieber in die Aeuglein meiner Trauten,
Aus denen tausend helle Sonnen schauten!”

„Am Donauufer gingen wir zur nahen Fähre
Stromabwärts nun im Morgensonnenschein.
Verschlafen lag der Ferge selbst im Nachen;
Wir mußten erst den Wackern munter schrei’n,
Doch endlich schob der grämliche Geselle
Sein Schifflein in des Stromes grüne Welle.”

„In schneller Fahrt glitt bald der Nachen dann stromüber
Und hinter uns lag jetzt des Städtleins Bann, —
Doch schritten weiter wir entlang dem Ufer,
Bis unser Weg den nächsten Forst gewann;
Hier suchten wir ein Plätzlein an der Halde,
Das dicht umfriedet war vom stillen Walde.”

„Aufathmend hielt die Holde endlich ein mit Gehen,
Wir sanken müde in das weiche Gras
Und mochten weder plaudern mehr noch essen,
Eh’ neuer Kraft der Körper erst genas.
An treuem Herzen fand die Maid den Schlummer,
Im Schlaf noch lächelnd, da nun fort ihr Kummer.”

„Bald lag auch ich vom festen Schlafe übernommen
Aus dem die Maid mich spät am Tag geweckt;
Die Augen reibend, sah ich, gar zufrieden,
Im Grase uns ein Tischlein fein gedeckt.
Sie frug mich, lächelnd, ob mir wohlbekommen
Das Schläflein, so schier gar kein End’ genommen?”

Mich nicht besinnend, sprang ich auf und gab die Antwort
In heißem Kuß ihr aus den rothen Mund;
Dann saßen selig wir bei unsrem Mahle
Im grünen Walde, bis zur Abendstund’
Mir war zu Muth, als sei das holde Wesen,
All meiner Lebetag um mich gewesen.”

„Als abermals der Mond gekommen, ward berathen,
Welch’ Ziel zu wählen für den flücht’gen Fuß.
Nach Spielmanns Brauch ließ ich ’ne Feder fliegen,
So fahrend Volk die Straßen weisen muß,
Und, da stromabwärts sie sich fortgewendet
War aller Zweifel drüber schnell beendet.”

„Frisch ging es also weiter, zwischen Busch und Bäumen
Den Wald dahin, im klaren Mondenschein;
Gar traulich wandelt es sich in der Stille,
Ist man alleine mit dem Mägdlein sein!
Die Bäume lauschten, wenn wir Küsse tauschten;
Indeß’ uns nah der Donau Fluthen rauschten.

„So wanderten wir stundenlang in trautem Plaudern,
Nur hie und da von einem Baum erschreckt,
Der aus dem Schatten, wie ein menschlich Wesen,
Uns seine Arme lang herangestreckt;
Als sich im Morgenluft die Tannen wiegten,
Wir, fröstelnd, näher uns zusammen schmiegten.”