„Allmälig wich die Frühlingsnacht dem jungen Tage,
Des Mondes Bild verschwamm im hellen Blau;
Mit warmen Strahlen küßte drauf die Sonne
Von Blatt und Halm den kühlen Morgenthau.
Nun galts zur Ruh’ ein Plätzlein auszusuchen,
Das bald sich fand, umkränzt von grünen Buchen.”
„Wir hielten ängstlich uns zum Walde, bis die Wunden
Mir fast geheilt, auch unser Bündelein
An Speis’ und Trank nichts mehr zu weisen hatte,
Als einst wir, kurz entschlossen, quer feldein,
Da eben sich des Abends Schatten senkten,
Die müden Schritte auf die Straße lenkten.”
„Ein Städtlein, das vor Thorschluß grad wir noch erreichten,
Mußt’ Herberg geben, bis die Nacht vorbei,
Und weil der Sänger überall willkommen,
Gab man uns Obdach und die Zeche frei.
Mit frischem Mund half auch das Mägdlein singen;
Hätt’ nie geglaubt, daß es so schön möcht’ klingen!”
„Doch schon am andern Morgen wanderten wir weiter
In’s Land hinein, bis schier der Tag zu End’
Und wir in einem Flecken Herberg fanden,
Der rings umsäumt von grünem Weingeländ’.
Dort mußten wir den wackern Leuten singen,
Und thät uns solches manchen Heller bringen.”
„Da konnten wir denn bald ein Saitenspiel erhandeln,
’s ist dieses hier und dies auch noch das Band
An dem die Traute mein es stets getragen.” —
Schier zärtlich nahm die Laute er zur Hand
Und ließ, wohl seine Wehmuth zu bezwingen,
Mit raschem Griff die Saiten voll erklingen.
„Ihr liebes Händlein lernte bald das Ding zu meistern,
Und liederkundig, wie die Holde war,
Erlernte ich von ihr gar manche Weisen,
Die mir im Sinn geblieben all’ die Jahr.
Kein Wunder, daß wir Alt und Jung berückten
Mit Sang und Spiel und alle Welt entzückten!”
„Gleich jungen Vöglein schwoll uns ja im minnefrischen Herzen
Ein ganzer Himmel voller Sangeslust;
Es klang auch herrlich, was wir sangen, hatten
Den Frühling selber in der jungen Brust
Und gaben kaum so viel, als wir empfangen,
Wenn wir von Lenz und süßer Minne sangen.”
„Die Tage schwanden uns in eitel Freud’ und Wonne
Gab manchmal auch es einen kleinen Span,
So glich das einem warmen Sommerregen,
Wenn Flur und Hain im Sonnengolde stahn.
Das Wölklein ging, so schnell wie es gekommen,
Indeß’ die Liebe nur noch zugenommen.” —
Ein eigen Wesen jedoch blieb der Guten immer.
Das Mägdlein hielt sich ferne meiner Zunft
Und weilte eher unterm freien Himmel,
Als daß ich einmal für uns Unterkunft
Bei einem meines Völkleins durfte suchen;
Sie haßte dessen wüstes Thun und Fluchen.”
„Oft saß sie sinnend, wie von tiefem Traum umwoben,
Und frug ich da, was sie geträumt so lang?
Blieb wohl mit Lächeln sie die Antwort schuldig,
Griff etwa nach dem Saitenspiel und sang
Mit süßem Munde, aber nur ganz leise,
Ein neues Lied zu einer alten Weise.”