„Auch kannte sie die Namen von fast allen Blumen,
Und wußt’ von jeder eine schöne Mär;
Das kleinste Käferlein selbst war willkommen,
So ihr des Weges kam von ungefähr.
Im stillen Hain umgaukelten uns Feeen,
Wie Sonntagskinder sie zuweilen sehen.”

„Und wie ihr Auge nur das Schöne sah in Allem,
So barg ihr Herz nur feinen, zarten Sinn;
Eh’ ich mich deß’ versehn, war ich verwandelt,
So daß ich ganz ein andrer worden bin,
Das rohe Wesen bald mir abgewöhnte,
Worüber meine Zunft mich weidlich höhnte.”

„’s ist ja der Frauen schönstes Theil, in sanfter Weise
Zu wirken, daß des Mannes stärkre Kraft
Nicht bloß nach äußeren Erfolgen ringe,
Mit denen er sich oft nur Sorgen schafft;
Sie suchen gern, in sinnig zartem Walten,
Des Mannes Sinn auch edler zu gestalten.” —

„Ein Jährlein war vorbei, daß wir zusammen hausten,
Der Minne nur und ihrem Sang geweiht,
Ein schöner Leben mochte keiner führen
So hoch der Himmel und die Erde breit;
Im Schlosse heut’ zu Gast, im Städtlein morgen,
Blieb meilenfern uns alle Noth und Sorgen.”

„Doch, nun der Lenz dahin, ging’s uns, wie noch gar vielen;
Wir bauten flink ein traulich Nestlein fein
Und sahen fröhlich jener Zeit entgegen,
Da zwitschern sollt ein junges Vögelein,
Das freilich noch im Schooß der Mutter weilte
Und an das Licht zu kommen nicht sich eilte.”

„Je kleiner’s Nestlein, um so wärmer sitzt der Vogel!
War unsres klein, viel Glück doch wohnte drin;
Denn wo die Liebe Einkehr hält und weilet,
Giebt’s frohe Herzen und zufriednen Sinn.
Weiß heut’ noch nicht, was uns hätt’ fehlen sollen,
Des Einen Wünschen war des Andern Wollen!”

„Doch unser Glück hienied’ ist eitel leichte Waare,
Ein leiser Stoß und tausend Scherben sind.
Wir hatten uns zu lieb, drum hieß es scheiden;
In Nacht und Nebel sank mein Glück geschwind.
Jung Vöglein forderte der Mutter Leben
Und lächelnd hat sie es auch hingegeben.”

„Will Euch mit meinem Schmerz verschonen, edle Herren!
Nur kurz vermelden, daß es lange ging,
Eh’ ich den harten Schlag verwinden mochte
Und die Betäubung schwand, die mich umfing,
Als auf der Süßen Leib die Schollen rollten,
Die mich am besten mit begraben sollten!”

„Allmälig aber fing es wieder an zu tagen.
Ein nie geahnt Gefühl ist mir erwacht,
Das ließ mich freundlich auf das Kindlein blicken,
Deß’ Kommen mir so herbes Leid gebracht.
Das Mägdlein hatte ganz der Mutter Augen,
Nur es zu pflegen wollt’ mir wenig taugen.”

„Gab mich drum gern zufrieden, als die braven Leute,
Bei denen just wir wohnten, auf mein Flehn
Erbötig waren, für den Wurm zu sorgen,
So ich für dessen Atzung würde stehn
Und jährlich ein Pfund Heller ihnen zahlte,
Daß Pfleg’ und was sonst nöthig er erhalte.”