„Nachdem ich dies versprochen, auch mich willig zeigte,
Zum wenigsten ein Mal im runden Jahr,
Selbst nach dem zarten Dinge schau’n zu wollen,
Küßt’ sachte ich des Kindleins feines Haar
Und zog, nach kurzgefaßtem Abschied von den Leuten,
Dann meines Wegs beim nächsten Morgenläuten.”
„Das Saitenspiel der Seligen und meine Trauer
Sie waren manchen Tag mein Weggeleit.
In Gram versunken zog ich meine Straßen,
Jed’ Sinnen der Vergangenheit geweiht;
Sollt’ mal ich wo ein heiter Liedlein singen,
Mußt’ schier gewaltsam ich mich dazu zwingen!”
„Hatt’ aber vordem nur mein Lied der Lieb’ gegolten,
Wie sie die Herzen schwellt in süßer Lust,
Daß wir in ihr des Himmels Freuden ahnen,
So klang mir jetzt die Wehmuth aus der Brust;
Ich mußte singen von der Minne Schmerzen,
Vom bittern Scheiden, tiefem Weh im Herzen.”
Der Mädel helle Aeuglein schimmerten in Thränen
Und mancher Knabe klagte mir sein Leid.
Ein guter Schmied ist Unglück, schweißt zusammen
Das Weh im Rock mit dem im Grafenkleid,
So wir’s verstehn die Saiten anzuschlagen;
Im eignen Schmerz nach fremdem auch noch fragen!”
„Als nach und nach der Herbst in’s Land gezogen,
In falbe Blätter blies der rauhe Wind,
Am Hag die langen Spinneweben wehten,
Gleich Silberfäden, die entflogen sind;
Da kam die Sehnsucht leise angeschlichen,
Mein Kind zu sehn, die nimmer ist gewichen.”
„In jedem Wiegenbett wähnt’ ich mein eigen Täublein
Und suchte seiner Aeuglein hellen Blick;
Sah sanft an warmer Brust ein Kind ich schlummern,
So schmerzte mich jung Vögeleins Geschick,
Das süßer Mutterliebe mußt’ entbehren —
Und ich entschloß mich endlich umzukehren.”
„Hatt’ manchen blanken Heller mir ja schon ersungen,
Mit dem ich hoffen durft’ die Winterzeit
Bei meinem Kindlein sonder Noth zu leben;
Auch lag im Bündel längst ein Kram bereit
Für’s Vögelein, von manchen schönen Sachen,
Ob dem es große Aeuglein sollte machen.”
„Und bald, des Wiedersehens mich im Voraus freuend,
Zog ich dem Dorf zu, drin das Mägdlein weilt;
Es war, als streckte Sehnsucht mir die Schritte,
So bin ich damals Tag und Nacht geeilt,
Bis endlich Dorf und Hütte vor mir lagen,
Dem kleinen Ding ich frohen Gruß konnt’ sagen.”
„Mit rothen Backen, wie die Englein in der Kirchen,
Schlief sanft es just, fuhr aber auf, erschreckt
Von fremder Stimme und erbärmlich schreiend,
Da wohl zu wenig lind mein Kuß geweckt.
Trotz allem Kosen wollt’ es nicht mich kennen,
Und erst die Pflegfrau stillte drauf sein Flennen.”
„Doch wurden wir im Lauf des Winters gute Freunde.
Es wohl zu warten, kürzte manche Stund’,
Die sonst vergällt gewesen um die Mutter;
War tief im Herzen ja noch weh und wund,
Und manch ein Kuß auf meines Kindleins Wangen
Galt ihr, die viel zu früh von mir gegangen.”