„Als dann der Lenz kam, zog ich wieder in die Ferne
Mit Sang und Laute, wie das meine Art,
Mir Atzung suchend nebst so manchem Heller,
Den jedoch stets ich für mein Kind gespart. —
Eh’ aber noch der erste Schnee gefallen,
Sah mich man wieder nach dem Dörflein wallen.”

„Dies trieb ich volle sechszehn Jahre, liebe Herren!
Nur kürzte ich die Fahrten Jahr für Jahr;
Galt mir doch jede Stunde für verloren,
In der ich fern von meinem Kinde war.
In seiner Nähe war mir Glück und Frieden,
Wie vor- und nachher nimmermehr, beschieden.”

„Gleich einer frischen Rosen, die sich früh entknospet
Im Morgenthau, vom Sonnenstrahl begrüßt,
Die keusche Blüte nur erst halb erschlossen,
Als ob im Traum der Lenz sie wach geküßt,
So war mein Mägdlein, schön und fein gediehen
In holder Anmuth, ihm von Gott verliehen.”

Es machte mich gar stolz, daß ich der Schönen Vater;
Doch stolzer noch, sah ich, wie lieb und gut
Des Kindes Wesen mit der Zeit geworden;
Fern jedem jugendlichen Uebermuth,
War doch dem Frohsinn ihr Gemüthe offen,
Von keinem Leide noch und Weh getroffen.” —

„Ich aber war im Dorfe in den vielen Jahren
Schier seßhaft worden, auch gar wohl bekannt
Im ganzen Gaue, als der Liederseppel,
Wie dorten mich ein jedes Kind genannt.
Auf keiner Kirmeß’ durfte je ich fehlen,
Wenn ich nicht wollte, daß sie all’ mich schmälen.”

„So schwand die Zeit uns hin, gleich wie im Mai die Wolken,
Wir lebten still in ungestörtem Glück;
Nur eines fehlte, ’s war des Mägdleins Mutter.
Aus ihrem Grabe sehnt’ ich sie zurück,
Um froh, wie ich, bei unserm Kind zu weilen,
Das höchste Erdenglück mit uns zu theilen.”

Hier hielt der Spielmann plötzlich inne mit Erzählen,
Als brächte er es nicht mehr weiter fort.
Kunz aber reichte ihm ein frisches Krüglein:
„Daß nicht die Kehl’ am Ende gar verdorrt!” —
Indeß Herr Heinzens freundlich-stilles Winken
Den Gästen rieth, ihr Gläslein auszutrinken.

Sie thaten’s auch. Doch mochte Keiner plaudern, hielten
Den Blick gespannt dem Sänger zugewandt;
Sein schlicht Erzählen aus dem eignen Leben
Gefiel wohl mehr, als Sagen, altbekannt.
Der Gläser Klingen, sonst war nichts zu hören,
Schien Wirth und Gäst’ im Lauschen gleich zu stören.

„Gesegn’ es Euch der Herrgott, edle Herrn und Damen!”
Hob bald der Sänger an mit neuem Muth,
Doch einem leisen Beben in der Stimme —
„Ihr haltet es dem fremden Mann zu gut,
Wenn er vom Leid auch spricht, so er erfahren;
Gott wolle Euch in Gnaden davor wahren!”

„’s war wieder Frühling worden und die Sonne lachte
Vom blauen Himmel über Wald und Ried;
Viel tausend Schnäblein sangen jeden Morgen
Von Ast und Zweig ihr süßes Minnelied.
Ein Jubeln war’s, ein Durcheinanderklingen,
Was nur ein Stimmlein hatte, mußte singen!”