„Da lockte mich die Märzenluft, durchs Land zu streifen.
Dem Sänger liegt das Wandern ja im Blut;
Waldvögelein und er ha’n gleiches Wesen,
Thun selbst in goldnem Käfig nicht lang gut:
In linder Lust muß es die Flüglein dehnen,
Des Sängers Herz sich in die Ferne sehnen.”
„Begleitet von dem Mägdlein bis zum nächsten Dorfe,
Gings früh am Morgen in den Lenz hinein.
Es sprühte, funkelte in jungen Saaten,
Gleich Adamanten im Juwelenschrein;
Im Busche grünten Faulbeerbaum und Erle,
Von jedem Zweiglein hing des Thaues Perle.”
„Den Weg zu kürzen, mieden wir die breite Straßen
Als kaum wir vor des Dörfleins letztem Haus,
Und, nun im Walde, pflückte sich mein Herzkind
Ein Büschlein Blumen, mir zum Abschiedsstrauß,
In welches es auch manches Kräutlein steckte,
Das, seiner Meinung nach, vor Unglück deckte!”
„Von ferne tönte laut des Gauchgucks frohes Rufen,
Das weithin hallte über Berg und Thal.
Mein Mägdlein gab mir Urlaub soviel Wochen,
Als es erlauschen mocht’ der Rufe Zahl;
Dann jedoch wollte mein es täglich warten,
Bis ich ihm wiederkehre von der Fahrten.”
„Flink schritten wir, bei munterem Geplauder, fürder
Durch junges Grün und hellen Vogelsang,
Als hoch ob uns der Thierburg alte Thürme
Herunter schimmerten vom Felsenhang
Und fernes Klingen eines Hifthorns sagte,
Daß ihr Besitzer just im Walde jagte.”
„Wir achteten nicht drauf. Das Mägdlein plaudert’ fröhlich,
Indeß vom Rain es blaue Veilchen brach.
Schon war nun auch das nächste Dorf durchschritten,
Von wo zurückzugehn die Maid versprach;
Da war es aus mit unsrem trauten Plaudern,
Wir mußten scheiden, half kein länger Zaudern.”
„Ein letztes Mal hatt’ ich dem Kinde noch versprochen,
Zu Haus zu sein in der bestimmten Zeit;
Dann küßt’ ich seine überthränten Wangen
Und schritt, vom Flennen selbst nicht all zu weit,
Mit felsenschwerem Herzen ob dem Scheiden,
Dem Thale zu, durch Haselbusch und Weiden.”
„Von dort, den hellen Blick zur Höhe rückgewendet,
Sah ich mein Mägdlein stehn im Sonnenschein,
Und wurde mir, als hörte ich es rufen:
„Behüet Euch Gott! Herzlieber Vater mein!”
Sein rothes Tüchlein flatterte im Winde —
Ade, Ade, du mein vielsüßes Kinde!”
„Es regnete im selben Sommer mir die Taschen
Voll blanker Heller, wie noch nie vorher.
War aber auch ein reiches Jahr gewesen.
In Tenn’ und Keller blieb kein Plätzlein leer;
Gern ließ das Volk drum seine Batzen springen
Für Lieder, Sang und fröhlich Saitenklingen.”
„Da hielt ich mich denn nicht lang an des Kuckuks Rufzahl,
Es zog mich heimwärts zu auf Schritt und Tritt;
Im Ränzlein, so mir schwer zur Seit’ gehangen,
Hatt’ manchen Kram ich für mein Herzkind mit.
Wie niemals aber, freut’ ich mich im Gehen,
In einem fort auf unser Wiedersehen!”