„’s war früh im Herbste, als ich durch des Dörfleins Gasse
Der Hütte zuschritt, wo mein Kind gewohnt;
Da fiel mir auf, daß meinem lauten Gruße
Die Dörfler nicht, wie früher, froh gelohnt,
Und Unheil schwanend, streckte ich die Schritte,
Bis bald im Stüblein knarrten meine Tritte.”

„Doch statt dem lieben Gruße meines trauten Kindes
Begegnete mir scheu die Pflegerin.
Ihr traurig Willkomm wollte kaum vom Munde,
Es fuhr wie Todesängsten durch mich hin
Und ging es lange, eh’ ich’s mochte wagen,
Verzagten Sinnes nach dem Kind zu fragen.”

„Mit wenig Worten, aber unter vielen Thränen,
Erzählte mir das Weiblein, daß der Weih’
Am selben Tag mein Vögelein sich raubte,
Als ich im Lenz von ihm geschieden sei;
Doch soll es munter auf der Thierburg weilen
Und Tisch und Lager mit dem Herrn dort theilen.”

„Da wich mein bang Gefühl des Zornes närr’schem Toben,
Und Fluch auf Fluch fiel auf des Kindes Haupt;
In blindem Wüthen schwor ich, mich zu rächen
An ihm, der mir mein einzig Kind geraubt.
Aufschreiend: „denen will ich’s Nachtmahl würzen!”
Wollt’, rasend, schon ich aus dem Stüblein stürzen.”

„Da wischte sich die Bäuerin ’s Wasser aus den Augen
Und zog mich neben sich auf eine Bank.
„„Stat Seppel!”” sprach sie, „„magst Dir’s erst beschlafen;
Der auf der Thierburg wüßt’ Dir schlechten Dank
Für Deinen Eifer! Morgen magst Du gehen
Und es versuchen, deine Maid zu sehen!””

„„Ich war schon selber dort, das Mädel aufzusuchen,
Hatt’ jedoch bei dem Gange wenig Glück.
Ist Einer wie der Andere dort oben!
Sie wiesen mich am Thore grob zurück,
Und auf mein Flehn entgegneten die Wächter
Mit Schimpfen nur und spöttischem Gelächter.””

„„Dein Goldkind lebt gar fein! hieß es; pack’ Dich zur Höllen,
Sonst bläuen wir Dir Deinen dürren Leib!
Das Mägdlein soll uns bar erst Kurzweil schaffen,
Eh’ es zum Teufel fährt als runzlig Weib!
Dein Fräulein ließ sich gerne von uns fangen,
Sonst wär’ es nicht allein im Wald gegangen!””

„„Also verhöhnten sie mein Fragen nach dem Kinde,
Daß bald ich, weinend, wieder thalwärts zog.
Glaub’ freilich nimmer, daß es gern gegangen
Wie einer von den Schergen oben log!
Und doch ward mir, seit jener Unglücksstunde,
Vom Mägdlein selber weiter keine Kunde.””

„So klagte mir das Weiblein unter heißen Thränen.
Ein jedes Wort zerriß mir schier das Herz;
Ich selber ward jetzt stumm bei seinem Jammern,
Fand keine Worte meinem Höllenschmerz.
Nur Rache! Rache! tobte es da drinnen,
Der Rache nur gehörte all mein Sinnen.” —

„Noch war es Nacht, als ich mich auf die Füße machte.
In stummer Wuth schritt ich der Thierburg zu,
Stand aber viel zu früh vor deren Mauern;
Denn Herr und Knechte pflogen noch der Ruh’.
Vom Thore trennte mich ein Felsgehänge,
Das steil abfiel wohl hundert Spießen Länge.”