Doch Adelgunde schien nur wenig sich zu freuen;
Sie maß die Gute bald mit einem Blick
Der, mehr noch als die Worte, so ihm folgten,
Erkennen ließ, wie gram sie dem Geschick
Drob war, weil dies, in leid’ger Lust am Necken,
Vergessen hatte, sie zur Jagd zu wecken.

„Gebt’s auf, mir Namen vorzusagen,” sprach sie mürrisch
„Die doch kein Mensch im Kopf behalten kann,
Als etwan Ihr, der, wie es scheint, das Fremde
Es angethan, und nicht der eigne Bann;
Denn sonsten braucht’ ich Euch ja nicht zu fragen,
Den Wald zu zeigen, drin die Herrn heut’ jagen!”

Da, etwas überrascht, wies Elsbeth mit dem Finger
Hinüber, wo das Heidenschlößchen stand;
Ein römisches Gemäuer, dessen Reste
Im Waldesdickicht einst ein Waidmann fand,
Als, müde wohl, er sich auf’s Moos hinstreckte,
Das grün und weich die Mauertrümmer deckte.

„Dort drüben, nah der Wutach, zieht des Wildbanns Grenze
Sich bis hinunter, wo der Lauffen rauscht;
Die Luft ist still und wenn auch wir es bleiben,
Mag’s gehen, daß Eu’r Ohr den Klang erlauscht
Von ihren Hiften, so, gleich fernem Singen,
Ich mehr denn eimnal bis hierher hört’ klingen!”

„Das glaub’ ich gerne!” rief gereizt die Aufgeregte
In einem Ton, daß Elsbeth, drob erstaunt,
Der Stolzen in die dunklen Augen schaute;
Doch hielt den Gast sie nur für schlecht gelaunt,
Und that deshalb, als wäre ihr entgangen,
Wie hämisch vorhin dessen Worte klangen.

Gelassen hob sie also wieder an zu sprechen,
Und ging’s nicht lange, eh’ es Elsbeth däucht’,
Ihr harmlos Plaudern habe allen Unmuth
Des Fräuleins, wie im Flug, hinweggescheucht.
Sie merkte nicht, wie listig und verschlagen
Die Schlaue forschend stellte Wort und Fragen.

Nach Kurzem, denn die Jugend kann ja nichts verhehlen,
Besonders wenn das Herz sich glücklich weiß,
Gab Elsbeth, überlistet von des Fräuleins Reden,
Der Schmeichelnden ihr süß Geheimniß Preis,
Da tiefes Roth der Holden Wangen deckte,
Als jene bald sie mit Herrn Kuonrad neckte.

Nun gar die Liebliche, auf Adelgundens Frage:
Ob sie den Junker minne und er sie,
Mit silberhellem Lachen, statt zu sprechen,
Dem Glücke ihrer Liebe Ausdruck lieh,
Da ließ, nicht Herrin mehr des Zornes Wallen,
Die Fragerin jedwede Maske fallen.

„Vermeinet Ihr denn wirklich, daß der Herr Euch minnet,”
Klang’s giftig, schneidend aus des Fräuleins Mund,
„Weil wäger Ihr Euch ihm zur Kurzweil bietet,
Wie dies am Vrenentag wohl jedem kund?
Euch — eines Dienstmanns Tochter, die zufrieden,
Wird einst zum Mann ein Grundhold ihr beschieden!”

Die Augen weit geöffnet, stand die Ueberraschte,
Indeß das Blut ihr aus dem Antlitz wich,
Ob solcher Rede keines Wortes mächtig;
Es ballten krampfhaft ihre Hände sich,
Der Höhnenden gebührend zu vergelten,
Sie eines Dienstmanns Tochter frech zu schelten.