Denn was die Arge sonst gesprochen, war der Keuschen
Ja unverständlich; blieb es auch, Gottlob,
Bis jene, unter höhnischem Gelächter,
Des Junkers Reiflein in die Höhe hob
Und mit gedämpfter Stimme Worte nannte,
Daß Elsbeths Antlitz wie in Gluthen brannte.

„Gebt mir das Ringlein her!” bat dringend die Gequälte,
Nach raschem Blick auf ihren Finger hin.
„Gebt mir den Reif zurück! — Ihr könnt nicht wollen,
Daß ich mein Leben lang im Unglück bin!
Ich dank’s Euch noch in meiner letzten Stunde!
Gebt mir das Ringlein! — Bitte, Adelgunde!”

Den Bitten taub, hielt jene aber dies nur fester
Und lachte höhnisch: „Sagt ich mir doch gleich,
Als ich das Reiflein diesen Morgen funden,
Daß solche Fische nicht in Eurem Teich
Zu Hause sind; nun kann ich leicht mir denken,
Von wem Ihr Euch das Kleinod ließet schenken!”

„Denkt, was Ihr wollt!” entgegnete jetzt Elsbeth zürnend,
„Der Ring ist mein und halte ich ihn werth,
Als Angedenken traut gesprochner Worte,
Von denen keines mir das Herz beschwert;
Doch, die ich dennoch Euch mit Fleiß nun hehle,
Seit ich durchschaue — Eure schöne Seele!”

„Schaut lieber erst in Eure!” spottete die Arge,
„Wird wohl beim Sprechen nicht geblieben sein! —
Ha, ha! Was gilt’s, ihr hebet an zu beichten
Die volle Wahrheit? — Wie? Ihr saget Nein? —
Seht dieses Ringlein! — Es fliegt von dem Söller,
Bleibt nur das kleinste Wort Euch unterm Göller!”

In Aengsten um den Ring, erfaßte, statt zu sprechen,
Die Schwergekränkte jetzt des Fräuleins Hand
Und hielt sie fest, bis Adelgund’, weil stärker,
Mit einem Ruck sie tückisch ihr entwand,
Um nun, begleitet von boshaftem Lachen,
Die ausgesprochne Drohung wahr zu machen.

Noch kam sie nicht dazu; denn schier von Sinnen stürzte
Sich Elsbeth jählings auf den bösen Gast,
Das Kleinod, wenn auch durch Gewalt, zu retten.
Ihr starker Arm hielt Adelgund’ umfaßt,
So daß die keuchend rang sich loszuzwingen,
Was jedoch nicht so leichtlich wollt’ gelingen.

In blindem Eifer rangen beide, wortlos kämpfend,
Um den Besitz des Ringleins; Kraft bewußt,
Die jugendschönen Glieder sich umklammernd,
Sprach aus den Blicken grimmen Hasses Lust,
Der Gegnerin, und koste es das Leben,
Mit nichten in dem Kampfe nachzugeben.

Minuten währte schon das heiße, stumme Ringen
Der Mädchen, als es Adelgundens Kraft
Gelang die rechte Hand sich zu befreien,
Aus Elsbeths leider doch zu schwachen Haft.
Und nun, adje, das Ringlein sollte fliegen.
Das Unrecht, wie so oft, zum Scheine siegen.

Da scholl ein geller Schrei zum Himmel, markdurchdringend,
Von beider Stimmen, wie aus einem Mund.
Des Söllers niedrem Rand zu nah gerathen,
Als just zum Wurf ausholte Adelgund’,
War Elsbeth, durch des Stoßes Widerprallen
Zurückgeschleudert, von dem Thurm gefallen.