In solchem Glauben wurde bald sie wieder fröhlich;
Doch, wenn das Zartgefühl es auch verbot,
Ihr glückgeschwelltes Herz dem Gast zu öffnen,
Verriethen nun der Wangen lieblich Roth,
Der Augen Glanz, so strahlten wie zwei Sonnen,
Daß sie es sei, die sich den Sieg gewonnen.

* * *

Mußt nie vom Schicksal das für dich erzwingen wollen,
Was seine Macht zu schenken dir versagt,
Willst nicht du deines Herzens Ruh’ und Friede
Zum Leide wandeln und, vom Sturm gejagt,
Des Steuers ledig, mit gekappten Tauen,
Dein Hoffen, einem Schiff gleich, scheitern schauen. — —

Am Abend ging es wieder fröhlich zu im Palas.
Die Herren zechten und der Spielmann sang,
Von ihnen aufgefordert, heitre Weisen.
Stets sicher, daß er Beifall sich errang,
Besang sein Lied den kühlen Trunk im Kruge,
Den oft er leerte in gar gutem Zuge.

Zur Abwechslung, und auf den Wunsch von Adelgunde,
Die lieber lauschte, statt daß selbst sie sang,
Gab Elsbeth eben jetzt ein Lied zum Besten,
Das voll und süß von ihren Lippen klang;
Doch war’s ein andrer Text und andre Weise,
Als sie der Spielmann sang, dem Wein zum Preise.

Mit angehaltnem Athem lauschten still die Herren,
Indessen vor der Thür, im dunkeln Gang,
Des Hauses Mägde sich versammelt hatten
Und lautlos horchten, wie die Herrin sang,
Um auch, sobald des Liedes Töne schweigen,
In frohem Beifall dankbar sich zu zeigen.

Sie kamen nicht dazu. Denn eh’ das Lied zu Ende,
Stob, gleich dem Hühnervolk, bedroht vom Weih’,
Die Schaar der Mägde furchtsam auseinander
Und gaben Gang und Thüre plötzlich frei;
Ein Fackellicht warf auf die Mauersteine
Im Näherkommen ungewisse Scheine.

Gleich nachher machten auch die drinnen große Augen
Und brach Elsbeth das Singen jählings ab.
Den Leuchtspahn in der Faust, stand an der Thüre
Der Wirth von Bechtersbohl, genannt der Schwab,
Dem Zweie folgten, die er mußt’ begleiten,
Wie wohl’s ihm wenig Freud’ schien zu bereiten.

Als erster trat der Kaplan ein, so schon seit gestern
Im Thale war, wo er sein Amt erfüllt’.
Sie kannten ihn, trotz dem beschneiten Mantel,
In den er, frierend wohl, sich eingehüllt;
Er säumte nicht den fremden Gast zu nennen,
Den Niemand auf dem Schlosse mochte kennen.