Als wir nun wieder allein waren, fing er zu meinem unsagbaren Unbehagen sofort an, von seiner Liebe zu reden, wie er mich unterwegs vermißt, wie sehr er sich auf diese Stunde des Wiedersehens gefreut habe.
Schon wollte ich von den Unruhen in der Stadt erzählen, um ihn auf andere Gedanken zu bringen, als der Kämmerer gemeldet wurde, der ihn zum König rief.
Nach etwa einer Stunde kehrte er zurück--ein anderer Mensch. Blaß, mit verstörten Zügen trat er bei mir ein, warf sich auf eine Bank und rief, er sei der unglückseligste Mann im ganzen Reiche, eine gefallene Größe, bald ein Bettler, wenn nicht gar Kerker oder Verbannung ihm drohe, und an seinem ganzen Unglück sei seine grenzenlose Liebe zu mir schuld, die ich nicht einmal erwidere. Auf meine wiederholte Aufforderung, mir doch zu sagen, was geschehen sei, beruhigte er sich endlich so weit, daß er, unter vielen Verzweiflungsausbrüchen und während er sich fortwährend die Schweißtropfen von der Stirn trocknete, mir den ganzen Vorgang im Palaste berichten konnte.
Der König hatte ihn sehr ungnädig empfangen und ohne etwas von dem geschlichteten Dorfstreit hören zu wollen, ihm unter Drohungen geboten, die volle Wahrheit über Angulimala einzugestehen, die Satagira jetzt auch mir beichten mußte, ohne zu ahnen, wie gut ich schon davon unterrichtet war. Übrigens sah er darin nur einen Beweis seiner "grenzenlosen Liebe" zu mir, und erwähnte meine Liebe zu dir leichthin als eine törichte Jugendschwärmerei, die ja jedenfalls zu nichts geführt hätte.
Die Sache war aber auf folgende Weise dem König zu Ohren gekommen.
Während der Abwesenheit Satagiras war es der Polizei gelungen, den Helfershelfer Angulimalas aufzuspüren, und dieser hatte im peinlichen Verhör bekräftigt, daß jener Räuber wirklich Angulimala selber sei, der damals nicht, wie der Minister immer behauptet hatte, auf der Folter gestorben, sondern entflohen wäre; auch jenen Anschlag Angulimalas auf den Krishnahain hatte er bekannt. Der Fürst war natürlich aufs höchste darüber erzürnt, daß Satagira seinerzeit den furchtbaren Räuber hatte entschlüpfen lassen und dann ganz Kosambi und seinen König durch einen aufgesteckten falschen Kopf betrogen hatte; er wollte auf keine Worte der Verteidigung oder auch nur der Entschuldigung hören. Wenn Satagira nicht binnen drei Tagen Angulimala unschädlich machte--wie es das Volk so stürmisch verlangte--dann würden ihn alle Folgen der fürstlichen Ungnade aufs empfindlichste treffen.
Nachdem Satagira dies erzählt hatte, warf er sich weinend auf die Bank, raufte sich die Haare und gebärdete sich wie ein Wahnsinniger.
"Sei getrost, mein Gemahl," sagte, ich. "Folge meinem Rate, und nicht erst in drei Tagen, sondern noch heute sollst du wieder im Besitz der fürstlichen Gunst sein, ja nicht nur das, sondern diese wird noch strahlender über dich leuchten denn je zuvor."
Satagira setzte sich auf und sah mich an, wie man wohl ein Naturwunder anstaunt.
"Und wozu rätst du mir denn?"