Indessen benutzte er die Zeit, um von einer alten Frau, die einen Korb voll Gemüse nach der Stadt trug und, wie er selbst, dort warten mußte, genaue Erkundigungen über den kürzesten Weg einzuziehen--wie er durch jene Gäßchen, rechts an einem Tempelchen und links an einem Brunnen vorübergehen müsse und dann einen Turm ja nicht aus den Augen verlieren dürfe, so daß er die vor der Stadtmauer verlorene Zeit vielleicht innerhalb derselben einholen könne.

Als nun das Tor sich geöffnet hatte, stürzte er unaufhaltsam in der ihm bezeichneten Richtung fort. Manchmal rannte er ein paar Kinder über den Haufen, rempelte eine Frau an, die am Rinnstein Geschirr spülte, so daß eine Schüssel ihr klirrend davonrollte und zerbrach, oder er stieß mit einem Wasserträger zusammen. Aber die Schimpfworte, die hinter ihm herflogen, erreichten verschlossene Ohren, so ganz war er von dem einen Gedanken erfüllt, daß er bald, ganz bald den Buddha sehen würde.

"Welches Glück!" sagte er zu sich selber. "Wie viele Geschlechter leben dahin, ohne daß ein Buddha auf der Erde mit ihnen zusammen wandert; und von dem Geschlecht, das einen Buddha zum Zeitgenossen hat--o wie so wenige sind es, die ihn sehen! Mir aber ist jetzt dies Glück gewiß!--Immer habe ich ja gefürchtet, daß auf dem weiten, gefahrvollen Wege wilde Tiere oder Räuber mich um dies Glück bringen könnten, jetzt aber kann es mir nicht mehr geraubt werden!"

Während er so dachte, war er in ein sehr enges Gäßchen eingebogen. In seinem törichten Vorwärtsstürmen sah er nicht, daß vom anderen Ende her eine Kuh, die aus irgend einem Grunde scheu geworden war, ihm entgegenstürzte, bemerkte auch nicht, wie ein paar Leute vor ihm sich eiligst in ein Haus flüchteten, und andere sich hinter einem vorspringenden Mauerstück verbargen; er hörte nicht den Ruf, durch den eine auf einem Söller stehende Frau ihn warnen wollte--er spähte nur hinauf nach den Turmzinnen, die ihn am Verfehlen des Weges hindern sollten.

Erst als es zum Ausweichen zu spät war, sah er entsetzt, gerade vor sich, die dampfenden Nüstern, die mit Blut unterlaufenen Augen und das blanke Horn, das ihm unmittelbar danach tief in die Seite drang.

Mit einem lauten Schrei fiel er an der Mauer nieder. Die Kuh stürzte weiter und verschwand in einer anderen Straße.

Sofort eilten nun Leute herbei, teils aus Neugier, teils um zu helfen. Das Weib, das ihn gewarnt hatte, brachte Wasser, um die Wunde zu reinigen. Man zerriß seinen Mantel, um ihm einen Verband anzulegen und womöglich das Blut zu stillen, das wie ein Quell hervorbrach.

Kamanita hatte fast keinen Augenblick das Bewußtsein verloren. Es war ihm sofort klar, daß dies seinen Tod bedeute. Aber weder diese Vorstellung, noch die Schmerzen quälten ihn so sehr, wie die Angst, daß er den Buddha jetzt nicht zu sehen bekäme. Mit bewegter Stimme flehte er die Umstehenden an, ihn nach dem Mangohaine zum Buddha zu tragen:

"So weit bin ich gepilgert, ihr lieben Leute!--So nahe war ich schon am Ziel! O, habt Erbarmen mit mir, zögert nicht, mich dahin zu tragen! Denkt nicht an die Schmerzen, fürchtet nicht, daß ich ihnen unterliege--ich werde nicht sterben, bevor ihr mich dem Vollendeten zu Füßen niedergelegt habt, und dann werde ich selig sterben, selig auferstehen."

Einige liefen nun, Stangen und eine Matratze zu holen. Eine Frau brachte ein stärkendes Getränk, von dem Kamanita ein paar Löffel voll nahm. Die Männer waren uneinig, welcher Weg zur Versammlungshalle im Mangohaine der kürzeste sei, da es wohl auf jeden Schritt ankommen konnte. Denn es war jedem klar, daß es mit dem Pilger bald zu Ende ging.