Meine Gedanken begegneten sich mit denen des Bremer Großkaufmanns Lohmann, der mich Anfang September 1915 besuchte. Lohmann ließ auf Grund unserer Unterhaltung von der Weserwerft in Bremen Pläne für ein Handelstauchboot konstruieren. Die Pläne waren Anfang Oktober fertig und wurden dem Reichsmarineamt vorgelegt, dessen Einverständnis wegen der möglichen Konkurrenz mit dem Bau von Kriegstauchbooten erforderlich war. Es ergab sich, daß zu gleicher Zeit auf Veranlassung der Firma Krupp die Germaniawerft in Kiel Pläne für ein Handelstauchboot ausgearbeitet hatte. Die Pläne der Germaniawerft sahen eine größere Tonnage vor; außerdem konnte die Germaniawerft für zunächst zwei Handelstauchboote eine Fertigstellung schon für April und Mai 1916 in Aussicht stellen.

Risiko und Gewinnaussichten des Unternehmens waren ungewöhnlich groß. Das Risiko wurde dadurch erleichtert, daß sich die Firma Krupp bereit erklärte, eines der beiden U-Boote unentgeltlich zur Verfügung zu stellen lediglich unter der Bedingung, daß dieses U-Boot auf seinen zwei ersten Reisen gegen Zahlung einer hoch bemessenen Fracht eine bestimmte Menge Nickel, die für Krupp in Amerika lagerte, nach Europa befördere.

Zur Durchführung des Unternehmens wurde zwischen Herrn Lohmann und mir die Gründung der „Deutsche Ozean-Rhederei G. m. b. H.“ vereinbart. Das Reich nahm der Gesellschaft das Risiko ab und behielt sich andererseits die großen Gewinnaussichten vor.

Im Juni 1916 konnte die „Deutschland“ in aller Stille ihre erste Reise antreten. Das Geheimnis war vollständig gewahrt worden. Die Ankunft der „U-Deutschland“ in Baltimore am 10. Juli erregte in der ganzen Welt Sensation. Die englische Anzweifelung des Charakters der „U-Deutschland“ als Handelsschiff fand keinerlei Handhabe. Die Rückreise vollzog sich ungestört.

Auf der Ausreise hatte die „U-Deutschland“ Farbstoffe geladen, deren Verkauf in Amerika einen Reingewinn in der mehrfachen Höhe des Einstandspreises des Tauchbootes erbrachte. Auf der Rückfahrt nahm das Tauchboot mehrere hundert Tonnen Kautschuk und Nickel mit. Allein die Differenz zwischen dem Einstandspreis des Kautschuks und dem Preis, der damals in Deutschland für Kautschuk bezahlt werden mußte, erreichte eine stattliche Anzahl von Millionen und übertraf noch erheblich den Gewinn der Ausfahrt. Vor allem aber war durch die eine Reise der dringende Heeresbedarf an Rohgummi und Nickel für eine größere Anzahl von Monaten gedeckt.

Es wurde, noch ehe die „U-Deutschland“ zurückgekommen war, der Bau von weiteren sechs Tauchbooten beschlossen. Die Kosten waren im voraus durch den Gewinn der ersten Reise gedeckt. Die neuen U-Boote kamen als Handelsschiffe nicht mehr zur Verwendung. Vor ihrer Fertigstellung erfolgte der Bruch zwischen der Union und Deutschland. Die Schiffe wurden nun als Kriegstauchboote ausgebaut.

Kriegskosten und Sparsamkeit

Neben der tätigen Mitarbeit an der Durchführung kriegsnotwendiger Maßnahmen und Unternehmungen durfte die Sparsamkeit in der Ausgabewirtschaft nicht vernachlässigt werden. Die täglichen Nachweisungen über die Inanspruchnahme der Reichshauptkasse waren in ihren gewaltigen Ziffern, die immerzu den Drang nach oben zeigten, eine immer wiederkehrende Mahnung.

Als ich das Reichsschatzamt übernahm, beliefen sich die bis dahin — also in den ersten sechs Monaten des Krieges — entstandenen Ausgaben auf rund 8650 Millionen Mark. Der Monat August hatte infolge der außerordentlichen Ausgaben für die Mobilmachung allein 2047 Millionen beansprucht, der September eine Ausgabe von 970 Millionen Mark, — er blieb der einzige Kriegsmonat, dessen Ausgaben den Betrag einer Milliarde nicht überschritten. Schon der Oktober hatte eine Steigerung der Kriegsausgaben auf 1262 Millionen Mark gebracht. Die Ausgaben des Januar 1915 schlossen mit 1545 Millionen ab. Für den Februar war ein ähnlicher Betrag, für den März ein bereits erheblich höherer Bedarf angemeldet. In der Tat haben die Ausgaben des März den Betrag von 2 Milliarden Mark noch um 35½ Millionen überschritten und damit die Kosten des Mobilmachungsmonats nahezu erreicht.