1. Die Schaffung neuer Kaufkraft zugunsten des Staates im Weg des unmittelbaren Druckes von Papiergeld oder der Begebung von Schatzanweisungen gegen die Ausgabe neuer Banknoten oder gegen die Schaffung neuer Guthaben.

2. Die Aneignung vorhandener Kaufkraft durch den Staat im Wege der Begebung von Anleihen gegen vorhandene Zahlungsmittel.

3. Die Aneignung vorhandener Kaufkraft durch den Staat im Wege der Erhebung von Steuern.

Der erste Weg ist der bequemere aber gefährlichere; der zweite und namentlich der dritte Weg ist schwieriger aber gesunder. Der erstere Weg führt notwendigerweise zu einer sich fortgesetzt steigernden Überfüllung des Verkehrs mit Zahlungsmitteln (Inflation) und zu einer in der sich überstürzenden Steigerung aller Preise zum Ausdruck kommenden Entwertung des Geldes. Der zweite Weg vermeidet diese Gefahr, aber er belastet, ebenso wie der erste, die Zukunft. Der dritte Weg schließlich, der sowohl die Inflation, wie auch die Belastung der Zukunft vermeidet, führt über solche Widerstände und Hemmungen wirtschaftlicher und politischer Natur, daß kein kriegführender Staat auf diesem Wege allein seinen Kriegsbedarf auch nur annähernd hat decken können.

Alle kriegführenden Staaten sahen sich zunächst auf den Weg der Schaffung neuer Kaufkraft für den Kriegsbedarf gedrängt. In der Hauptsache nahmen sie ihre Zentralbanken durch die Diskontierung kurzfristiger Schatzscheine gegen Noten oder Gutschrift in Anspruch. Sie konnten nicht anders; denn die gewaltigen Zahlungen für die Mobilmachung mußten geleistet werden, während die Geldmärkte in der ersten Panik die schwerste Klemme durchmachten, also Bargeld nicht nur nicht abgeben konnten, sondern für sich selbst benötigten.

Hunderte von Millionen, ja Milliarden neuen Geldes ergossen sich also in den ersten Wochen des Krieges über die Volkswirtschaft. Alles, was für das Heer zu liefern hatte, wurde bar bezahlt. Auf dem Wege über die Arbeitslöhne und die Gebührnisse für Offiziere und Mannschaften drang der neue Geldstrom bis in die kleinsten Kanäle des Verkehrs. Die Geldklemme der ersten Kriegstage wurde bald durch eine wachsende Geldflüssigkeit abgelöst. Wenn einer bedenklichen Inflation vorgebeugt werden sollte, dann mußte durch eine Änderung der Geldbeschaffung der allzu reichlich fließende Quell der papiernen Scheine verstopft und die Hochflut neuer Zahlungsmittel aufgesaugt werden.

Die Begebung langfristiger Anleihen und die Ausschreibung neuer Steuern standen zu diesem Zweck zur Verfügung.

Man wählte bei uns den Weg der Anleihe (September 1914) und erzielte mit einem Zeichnungsergebnis von fast 4½ Milliarden Mark den bereits geschilderten Erfolg.

Als ich das Schatzamt Anfang Februar 1915 übernahm, war der Etatsentwurf für das kommende Rechnungsjahr im wesentlichen fertiggestellt. Es war darin ein neuer — dritter — Kriegskredit von abermals 5 Milliarden Mark vorgesehen, den ich auf 10 Milliarden Mark erhöhte. Steuern waren nicht vorbereitet. Der Reichsbankpräsident schlug mir für den März die Ausgabe einer zweiten Kriegsanleihe vor.

Mit dieser Situation hatte ich mich zunächst abzufinden. Steuergesetze lassen sich nicht aus dem Ärmel schütteln, namentlich nicht in einem Bundesstaat. Bis zum Zusammentritt des Reichstags standen nur wenige Wochen zur Verfügung. Da der Reichsetat in seinen ordentlichen Einnahmen und Ausgaben infolge der Übernahme der gesamten Ausgaben für Heer und Marine auf den Kriegsfonds balancierte, ja sogar noch die Aufrechterhaltung der planmäßigen Schuldentilgung gestattete, konnte die recht schwierige und umstrittene Frage der Kriegssteuern für dieses Mal auf sich beruhen bleiben. Um so mehr kam es darauf an, die Anleihe zu einem vollen Erfolge zu führen.