Ähnlich entwickelte sich der Kampf zwischen England und Deutschland auf dem dänischen Markte. Während von 1913 auf 1915 die dänische Ausfuhr von Butter nach England von 85300 auf 66300 Tonnen zurückging, vermochte Deutschland seine Zufuhr aus Dänemark von 2200 auf 25200 Tonnen in die Höhe zu bringen. An Schweinefleisch bezog England im Jahre 1913 rund 9400 Tonnen, 1915 nur noch 1900 Tonnen; Deutschland dagegen vermochte seine Bezüge von 3800 auf 17900 Tonnen zu steigern. Dänemarks Eierausfuhr nach England zeigte einen Rückgang von 30000 auf 18800 Tonnen, nach Deutschland dagegen eine Zunahme von 1200 auf 13000 Tonnen.
Auch in der Schweiz, in Schweden und lange Zeit hindurch sogar in dem England gegenüber gefügigen, von der Belieferung durch Deutschland kaum abhängigen Norwegen wurde unsere Position nicht nur behauptet, sondern sogar verbessert. Das gilt sowohl für wichtige Produkte der Viehzucht und der Fischerei, wie auch für einige Rohstoffe, die für unsere Kriegsindustrie von größter Bedeutung waren. So gelang es, die Zufuhr der für unsere Stahlfabrikation kaum entbehrlichen phosphorarmen schwedischen Eisenerze, sowie die Zufuhr von Ferrosilizium und andern wichtigen Ferrolegierungen aus Schweden aufrechtzuhalten; desgleichen erhielten wir aus Schweden gewisse Quantitäten von Kupfer; ferner große Mengen von Holzstoff, der uns angesichts der unzureichenden eigenen Gewinnung für die Herstellung von Nitrozellulose, daneben für die Herstellung von Textilose und Papier eine wesentliche Hilfe war. Norwegen war das einzige Land, das uns und unsern Bundesgenossen während des Krieges wenigstens mit bescheidenen Mengen des für die Kriegsindustrie unentbehrlichen Nickels belieferte; daneben erhielten wir von dort Kupfer und Schwefelkies sowie Rohkupfer, auch größere Mengen von Norgesalpeter. Die Schweiz half uns vor allem aus mit Aluminium.
Alles in allem: Wir haben zwar nicht vermocht, die britische Seesperre zu brechen, wir blieben während des ganzen Krieges von allen nur zur See erreichbaren Märkten abgeschnitten; aber Englands Versuch, auch die uns benachbarten Neutralen in das System seiner Blockade einzubeziehen und damit die Blockade bis unmittelbar an unsere Landgrenzen heranzutragen, ist trotz des beispiellosen von der Entente angewandten Druckes gescheitert. Das neutrale Vorgelände unserer belagerten Festung haben wir in dem schweren Wirtschaftskampf siegreich behauptet.
Allerdings wurde auch dieses Vorgelände mehr und mehr verwüstet und unterhöhlt. England und seine Verbündeten scheuten sich nicht, den Druck ihrer völkerrechtswidrigen Maßnahmen auf unsere neutralen Anlieger so weit zu steigern, daß deren eigene Produktionsfähigkeit und Lebenshaltung auf das schwerste beeinträchtigt wurde. Namentlich die Leistungsfähigkeit der Viehzucht wurde durch die scharfe Rationierung der Zufuhr von Futtermitteln herabgedrückt; und wer immer von den Neutralen Brot benötigte, mußte sich von dem Hungertod durch immer weitere Zugeständnisse loskaufen.
Wir mußten deshalb vom Ende des Jahres 1916 an mit einem kaum aufzuhaltenden allmählichen Versiegen auch unserer letzten neutralen Bezugsquellen ernstlich rechnen.
Die innere Kriegswirtschaft
Die territoriale Erweiterung unserer Wirtschaftsgrundlage durch die militärischen Erfolge, die uns die Besetzung und Verwaltung großer Flächen feindlichen Gebietes ermöglichten, und unser erfolgreicher Kampf um die neutralen Märkte, die uns erreichbar geblieben waren, reichten nicht entfernt aus, Ersatz zu schaffen für die gewaltigen Zufuhren an Nahrungs- und Futtermitteln, an Rohstoffen, Halbfabrikaten und Fertigwaren aller Art, die uns durch den Krieg und durch die Abschneidung vom überseeischen Verkehr entzogen wurden und die bisher ein wesentlicher Teil des Untergrundes unserer Produktions- und Verbrauchswirtschaft gewesen waren. So ergab sich die Notwendigkeit, einmal den uns verbleibenden Spielraum für Produktion und Verbrauch durch die Anwendung neuer Methoden und die Gewinnung von Ersatzstoffen im Inland, sowie durch die intensive Nutzbarmachung der verfügbaren Arbeitskräfte nach jeder Möglichkeit zu erweitern; dann unsere Gütererzeugung und unsere Lebenshaltung auf die plötzlich so viel enger gewordenen Verhältnisse einzustellen und sie gleichzeitig den gewaltigen Bedürfnissen des Krieges anzupassen.
Die Technik im Dienst der Kriegswirtschaft
Wissenschaft, angewandte Technik und Unternehmungsgeist hatten sich in Deutschland seit den Zeiten eines Werner von Siemens zusammengefunden und in gemeinschaftlicher, sich ergänzender und fördernder Arbeit die deutsche Volkswirtschaft in den letzten Jahrzehnten zu den von aller Welt bestaunten und beneideten Fortschritten befähigt. Jetzt galt es, alle diese Kräfte zur äußersten Leistung anzuspannen, um eine Aufgabe zu lösen, so schwer, wie sie niemals in der Geschichte einem Volke gestellt worden ist: Das Leben und die Wirtschaft eines Siebzig-Millionen-Volkes, die bisher auf der freien Verfügung über die Naturschätze und Naturerzeugnisse des ganzen Erdballes aufgebaut waren, unter den drängenden Anforderungen und gewaltigen Erschwernissen des Krieges durch die denkbar stärkste Ausnutzung der nach Art und Menge beschränkten Hilfsquellen des eigenen Landes aufrechtzuerhalten.