„Soldaten! In dem Gefühl des Sieges, den Ihr durch Eure Tapferkeit errungen habt, haben Ich und die Herrscher der treu verbündeten Staaten dem Feinde ein Friedensangebot gemacht. Ob das damit verbundene Ziel erreicht wird, bleibt dahingestellt. Ihr habt weiterhin mit Gottes Hilfe dem Feind standzuhalten und ihn zu schlagen.“

Die Aufnahme, die der Friedensvorschlag in Deutschland fand, war nicht einheitlich zustimmend. In den konservativen und überwiegend auch in den nationalliberalen Kreisen fürchtete man, der Vorschlag könne im Ausland als Schwächezeichen ausgelegt werden und die Wirkung unserer Siege in Rumänien beeinträchtigen. In den Kreisen derjenigen, die an sich den Friedensvorschlag als einen ernsthaften Versuch, Deutschland und die Welt von dem Elend des Krieges zu befreien, aufrichtig willkommen hießen, bemängelte man vielfach, daß in dem Vorschlag unsere konkreten Friedensbedingungen nicht aufgezählt waren.

Beide Ausstellungen halte ich auch heute noch für unberechtigt.

Es handelte sich darum, entweder zum Frieden zu kommen, oder vor der ganzen Welt, sowohl vor dem eigenen Volke, wie vor den Völkern der Neutralen und unserer Feinde die Verantwortlichkeit für die Fortdauer des Krieges festzustellen. Wenn der Krieg weitergehen sollte, dann brauchte vor allem unser eigenes Volk angesichts des ungeheueren auf ihm lastenden Druckes eine moralische Rückenstärkung in dem Bewußtsein, daß es nicht an uns lag, wenn Friedensverhandlungen nicht zustandekamen. Die Gefahr, daß unsere Feinde unser Angebot als Schwäche auffassen könnten, durfte demgegenüber nicht den Ausschlag geben; durch die Wahl des Zeitpunktes war zudem dieser Gefahr nach Möglichkeit vorgebeugt worden.

Eine öffentliche Enthüllung unserer einzelnen Friedensbedingungen wäre, solange die grundsätzliche Bereitwilligkeit unserer Feinde, mit uns über einen Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit unseres Volkes wahrenden Frieden zu sprechen, nicht vorlag, das Gegenteil von Zweckmäßigkeit gewesen. Wir hätten uns ganz einseitig festgelegt, uns dadurch gegenüber unseren Gegnern stark in Nachteil gesetzt und jede Verhandlung über die einmal öffentlich genannten Punkte außerordentlich erschwert. Es ist leicht, über die „Geheimdiplomatie“ zu schelten. Aber solange die menschliche Natur sich nicht von Grund aus geändert hat, wird der Zweck einer jeden Verhandlung, nämlich die Verständigung, in vertraulichen Beratungen stets leichter zu erreichen sein, als wenn der Ringkampf der Verhändler sich vor den Augen der Öffentlichkeit abspielt. Wenn unsere Feinde überhaupt Neigung hatten, mit uns über einen Frieden zu sprechen, so mußte es ihnen genügen, daß unsere Friedensnote klar aussprach: Der Krieg ist für uns ein Verteidigungskrieg geblieben; für uns kommt es darauf an, Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit unserer Völker zu sichern; unsere Rechte und Ansprüche stehen in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen.

Aber die Neigung, mit uns über den Frieden zu sprechen, bestand bei unseren Feinden nicht. Die Ziele, die sie verfolgten und unbeachtet aller Opfer und Rückschläge zäh im Auge behielten, waren mit der Verteidigung unseres Besitzstandes, mit der Wahrung unserer Ehre, unseres Daseins und unserer Entwicklungsfreiheit nicht vereinbar. Ihre Regierungen fürchteten, durch jede Einleitung eines Friedensgesprächs den auf unsere Niederwerfung gerichteten Kriegswillen zu schwächen, und deshalb hatten sie es ungemein eilig, unseren Vorschlag schroff zurückzuweisen.

Schon am Tage nach unserem Friedensvorschlag, am 13. Dezember 1916 erklärte der französische Ministerpräsident Briand unsere Aufforderung zu Friedensverhandlungen für ein Manöver, um unter den Alliierten Uneinigkeit zu säen, die Gewissen zu verwirren und die Völker zu demoralisieren. Am 16. Dezember wies der neue russische Minister des Auswärtigen, Herr Pokrowsky, den Friedensvorschlag der Mittelmächte „mit Entrüstung“ ab und stellte ihm das Ziel gegenüber, „das uns allen am Herzen liegt: die Vernichtung des Feindes;“ alle die unzähligen Opfer würden umsonst gebracht sein, wenn man mit einem Feind, dessen Kräfte zwar geschwächt, aber nicht gebrochen seien, einen „vorzeitigen Frieden“ schließe. Am 18. Dezember beschwor der italienische Minister des Auswärtigen, Herr Sonnino, die Kammer, nichts zu beschließen, was die Vermutung zuließe, daß Italien in der Aufnahme des von Deutschland gemachten „hinterlistigen Schrittes“ eine von seinen Verbündeten verschiedene Haltung einnehmen könnte. Am Tage darauf sprach Lloyd George, der inzwischen Herrn Asquith als Ministerpräsident ersetzt hatte, in der gewohnten Weise über den preußischen Militärdespotismus und verlangte als Voraussetzung für irgendwelche Friedensgespräche von Deutschland „vollständige Wiederherstellung, volle Genugtuung und wirksame Garantien“.

Nun erschien auch der Präsident Wilson auf dem Plan.

Am 21. Dezember 1916 übergab der amerikanische Botschaftsrat in Berlin dem Staatssekretär Zimmermann eine Note, die gleichlautend auch den übrigen kriegführenden Staaten zugestellt wurde.

Die Note enthielt eine Friedensanregung. Der Präsident der Vereinigten Staaten schlug vor, „daß baldigst Gelegenheit genommen werde, von allen jetzt kriegführenden Staaten ihre Ansichten über ihre Bedingungen zu erfahren, unter denen der Krieg zum Abschluß gebracht werden könnte und über die Vorkehrungen, die gegen die Wiederholung des Krieges oder die Entfachung irgendeines ähnlichen Konfliktes in der Zukunft zufriedenstellende Bürgschaft leisten könnten, so daß sich die Möglichkeit biete, sie offen zu vergleichen. Dem Präsidenten, so fuhr die Note fort, ist die Wahl der zur Erreichung dieses Zieles geeigneten Mittel gleich. Er ist gern bereit, zur Erreichung dieses Zweckes in jeder annehmbaren Weise seinerseits dienlich zu sein oder sogar die Initiative zu ergreifen; er wünscht jedoch nicht, die Art und Weise und die Mittel zu bestimmen. Jeder Weg wird ihm genehm sein, wenn nur das große Ziel, das er im Auge hat, erreicht wird.“ Die Note wies dann darauf hin, daß die allgemeinen Ziele der beiden kriegführenden Parteien nach den von ihren Staatsmännern abgegebenen Erklärungen dem Wesen nach die gleichen seien. Das Interesse der Vereinigten Staaten an den künftigen Maßnahmen zum Schutz des Völkerfriedens sei ebenso groß, wie das irgendeines anderen Volkes. Das amerikanische Volk und seine Regierung sehnten sich danach, bei der Erreichung dieses Zieles mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln mitzuwirken. Aber erst müsse der Krieg beendet sein. Die konkreten Ziele, für die der Krieg geführt werde, seien niemals endgültig festgestellt worden. Der Welt bleibe es überlassen zu vermuten, „welche endgültigen Ergebnisse, welcher tatsächliche Austausch von Garantien, welche politischen oder territorialen Veränderungen oder Verschiebungen, ja selbst welches Stadium des militärischen Erfolges den Krieg zu Ende bringen würde“. Der Präsident schlage keinen Frieden vor, er biete nicht einmal seine Vermittlung an; er rege nur an, „daß man sondiere, damit die Neutralen und die kriegführenden Staaten erfahren, wie nahe wohl das Ziel des Friedens sein mag, nach dem die ganze Menschheit mit heißem und wachsendem Begehren sich sehnt“.