„Die Alliierten empfinden,“ so hieß es in der Note, „ebenso tief wie die Regierung der Vereinigten Staaten den Wunsch, möglichst bald diesen Krieg beendet zu sehen, für den die Mittelmächte verantwortlich sind und der der Menschheit grausame Leiden auferlegt; aber sie sind der Ansicht, daß es unmöglich ist, heute bereits einen Frieden zu erzielen, der ihnen die Sühnen, Wiedergutmachung und Bürgschaften sichert, auf die sie ein Recht haben infolge des Angriffs, für den die Mittelmächte die Verantwortung tragen und der gerade darauf abzielt, die Sicherheit Europas zugrundezurichten.“ Nach langen Beschwerden über die völkerrechtswidrige und grausame Kriegführung der Mittelmächte, die zu einem ständigen Hohn auf Menschlichkeit und Zivilisation geworden sei, erklärte die Note, die den Mittelmächten durch Vermittlung der Vereinigten Staaten überreichte Antwort auf deren Friedensvorschlag vom 12. Dezember 1916 beantworte die von der amerikanischen Regierung gestellte Frage. Im übrigen seien die Kriegsziele der Alliierten wohlbekannt; sie seien mehrfach in Erklärungen der Oberhäupter der verschiedenen Regierungen dargelegt worden. „Diese Ziele werden in den Einzelheiten mit allen Kompensationen und gerechtfertigten Entschädigungen für den erlittenen Schaden erst in der Stunde der Verhandlungen auseinandergesetzt werden. Aber die zivilisierte Welt weiß, daß sie alles Notwendige einschließen und in erster Linie die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und Montenegros, die ihnen geschuldeten Entschädigungen, die Räumung der besetzten Gebiete von Frankreich, Rußland und Rumänien mit den gerechten Wiedergutmachungen, die Reorganisation Europas, Bürgschaft für einen dauerhaften Frieden, die Zurückgabe der Provinzen und Gebiete, die früher den Alliierten durch Gewalt oder gegen den Willen der Bevölkerung entrissen worden sind, die Befreiung der Italiener, Slawen, Rumänen, Tschechen und Slowaken von der Fremdherrschaft, die Befreiung der Bevölkerungen, die der blutigen Tyrannei der Türken unterworfen sind, und die Entfernung des Osmanischen Reiches aus Europa, weil es zweifellos der westlichen Zivilisation fremd ist.“ Die Note fügte hinzu, es sei selbstverständlich niemals die Absicht der alliierten Regierungen gewesen, die „Vernichtung der deutschen Völker und ihr politisches Verschwinden“ anzustreben; sie wollten nur die Sicherung des Friedens auf der Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und der unverletzlichen Treue, welche die Regierung der Vereinigten Staaten stets beseelt habe.

Eine besondere Verschärfung erfuhr die Ablehnung irgendwelcher Friedensgespräche mit den Zentralmächten durch die Verwahrung gegen eine Gleichstellung mit diesen. „Mit Genugtuung,“ so hieß es in der Note, bdquo;nehmen die Alliierten zur Kenntnis, daß die amerikanische Mitteilung in keinem Zusammenhang steht mit dem Schritt der Mittelmächte; sie zweifeln nicht an dem Entschluß der amerikanischen Regierung, selbst den blassen Anschein einer auch nur moralischen Unterstützung der verantwortlichen Urheber des Krieges zu vermeiden. Die Alliierten Regierungen halten es für ihre Pflicht, sich in der freundschaftlichsten aber klarsten Weise gegen eine Gleichstellung auszusprechen, welche auf öffentlichen Erklärungen der Mittelmächte beruht und in direktem Widerspruch zur offenkundigen Sachlage steht, sowohl bezüglich der Verantwortlichkeiten in der Vergangenheit wie betreffs der Bürgschaften für die Zukunft. Präsident Wilson hat durch ihre Erwähnung gewiß nicht beabsichtigt, sich ihnen anzuschließen.“

Schallender konnte die Friedenstür nicht zugeworfen werden. Wenn sich die Alliierten bei Herrn Wilson verbaten, von ihm mit den Mittelmächten auf gleichem Fuß behandelt zu werden, so war das eine in ihrer Schärfe kaum zu übertreffende Zurückweisung aller guten Dienste, die ein Dritter zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen den beiden kriegführenden Gruppen überhaupt anbieten konnte.

Sachlich bedeuteten die von den Ententeregierungen kurz umrissenen Friedensbedingungen nichts anderes als die völlige Zertrümmerung der Türkei, die völlige Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie, die Verstümmelung und Erniedrigung Deutschlands. Die Alliierten hatten recht, wenn sie feststellten, daß es unmöglich sei, einen diesen Wünschen entsprechenden Frieden jetzt schon zu erzielen; denn nur von einem völlig niedergeworfenen Gegner konnten sie annehmen, daß er solche Bedingungen auch nur einen Augenblick zur Diskussion stellen lassen würde.

Der Fall lag also klar: Die Mittelmächte waren bereit, über einen Frieden zu sprechen, der ihr Verteidigungsziel erfüllte und Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit ihrer Völker sicherte; die Entente lehnte eine Verhandlung auf dieser Grundlage mit der offenen Begründung ab, daß sie auf der Zertrümmerung, Verstümmelung und Erniedrigung der Mittelmächte bestehe, ein „Friedensziel“, für das auch nach ihrer Auffassung die Mittelmächte noch nicht reif waren.

Wie Herr Wilson sich zu dieser Antwort stellte, werden wir später sehen.

Der uneingeschränkte U-Bootkrieg

Die deutsche Note vom 4. Mai 1916 hatte den U-Bootkrieg auf den Kreuzerkrieg zurückgeführt und dadurch den Frieden mit Amerika erhalten. Damit war die äußerste Erschwerung vermieden worden für eine Zeit, die uns erst den gewaltigen Stoß der Russenoffensive in Wolhynien und Galizien und die erfolgreiche Erneuerung der italienischen Offensive am Isonzo, dann die an Einsatz und Dauer alles übertreffenden Angriffe der Franzosen und Engländer an der Somme und schließlich den rumänischen Überfall brachte.

Wir hatten uns Amerika gegenüber für die Führung des U-Bootkrieges freie Hand vorbehalten für den Fall, daß unsere Erwartung, es möchte der Regierung der Vereinigten Staaten gelingen, die Beobachtung der völkerrechtlichen Normen der Seekriegführung auch bei England durchzusetzen, sich nicht erfüllen sollte.

Die Erwartung erfüllte sich nicht. Von irgendwelchen ernstlichen Versuchen der amerikanischen Regierung, England und die übrigen Ententemächte zur Aufgabe ihrer völkerrechtswidrigen Handels- und Hungerblockade zu veranlassen, ist in der Folgezeit nichts bekannt geworden.