Die britische Regierung beantragte ferner die Erhöhung der Altersgrenze für die Dienstpflicht auf 50 und in besonderen Fällen auf 55 Jahre, sowie die Ausdehnung der Dienstpflicht auf Irland unter gleichzeitiger Gewährung von Home-Rule. In der Begründung dieses Antrags, die Lloyd George am 10. April im Unterhaus gab, führte er u. a. aus: Die Amerikaner hätten erwartet, im Frühjahr ein großes Heer in Europa einsetzen zu können; die Ausbildung habe aber mehr Zeit gekostet, als man angenommen habe. „Wir wurden von einem starken Bundesgenossen verlassen, und ein anderer noch stärkerer Bundesgenosse ist noch nicht bereit, alle seine Kräfte einzusetzen. Wenn wir künftige Kriege vermeiden wollen, müssen wir diesen Krieg gewinnen. Dazu müssen wir aber die notwendigen Opfer auf uns nehmen.“
Der Antrag auf Ausdehnung der Dienstpflicht auf Irland stieß auf starken Widerstand, nicht nur bei den Iren selbst, sondern auch bei den Liberalen. Asquith und seine Anhänger enthielten sich der Abstimmung. Trotzdem wurde das Gesetz im Unterhaus mit großer Majorität, im Oberhaus sogar einstimmig angenommen. Der Widerstand in Irland war jedoch über alle Erwartungen stark. Die irischen Bischöfe beschlossen, ihren Gemeinden das Gelöbnis abzunehmen, daß sie sich mit den stärksten Mitteln der Dienstpflicht widersetzen würden. Schließlich wurde Ende April die Ausführung des Dienstpflichtgesetzes für Irland durch ein königliches Dekret aufgeschoben. Man wollte ein Home-Rule-Gesetz vorlegen und zunächst dessen Wirkung abwarten; inzwischen wollte man durch Werbung Freiwilliger die Kräfte Irlands ausnutzen, was nur in engen Grenzen gelang.
Immerhin erwartete die englische Regierung von der Ausdehnung der Dienstpflicht einen Zugang von rund 500000 Mann.
In Frankreich hatten die Erfolge der deutschen Offensive die Wirkung, daß die Deputiertenkammer am 29. März unter Zurückstellung aller Interpellationen und aller anderen Vorlagen das von der Regierung eingebrachte Gesetz über die sofortige Einstellung des Rekrutenjahrgangs 1919 annahm. Die Sozialisten erklärten, daß sie im Gegensatz zu ihrer früheren Haltung dieses Mal für die vorzeitige Einstellung der Rekruten stimmen würden, weil sie anerkennen müßten, daß diese Maßnahme für die Rettung des Vaterlands nötig sei. Das Gesetz wurde mit 490 gegen 7 Stimmen angenommen.
In diesem Maße schärfte der Rückschlag und die Gefahr unseren Feinden das nationale Gewissen und die Tatkraft.
Natürlich konnten auch die größten Kraftanstrengungen der Franzosen, Engländer und Amerikaner die Lage auf dem Kriegsschauplatz nicht sofort entscheidend beeinflussen. Sie brauchten Zeit für ihre Auswirkung. Zunächst waren jedenfalls die Heere unserer Feinde so stark mitgenommen, daß sie in der langen Pause, die nach dem Festlaufen unserer flandrischen Offensive eintrat, keinen ernstlichen Versuch machten, die Initiative wieder an sich zu reißen oder wenigstens durch stärkere Angriffsaktionen die deutsche Heeresleitung in der Vorbereitung eines neuen Offensivschlages ernstlich zu stören.
Auch die deutschen Heere waren durch die beiden großen Angriffe geschwächt. Die Verbände mußten aufgefüllt werden und sich erholen, Material und Munition mußten ergänzt werden. Jeder neue Schlag bedurfte zudem der sorgfältigsten Vorbereitung, um einen dem großen Aufwand und den unvermeidlich großen Opfern entsprechenden Erfolg nach Möglichkeit zu sichern.
So kam das Ende des Monats Mai heran, ohne daß seit der Erstürmung des Kemmelbergs eine der beiden Parteien eine größere Kampfhandlung unternommen hätte.
Dann aber brach der Sturm von neuem los, dieses Mal mit einer Wucht, die selbst den furchtbaren Anprall der Märzoffensive übertraf.