„Du bist nicht im Stande, dein Erdenlos zu verbessern, denn alle Ereignisse geschehen nach naturgemäßem Lauf, und es ist eines die Folge des andern bis zum Zeitpunkt der Schöpfung zurück; alle Begebenheiten greifen harmonisch in einander, nirgends nimmt man einen Zufall wahr. Wo ist also Unvollkommenheit?“

Dieser wie der fünfte Aphorismus der ersten oder der sechste der Plethonischen Fassung fehlt bei Psellos. Bei dem fünften (sechsten) Aphorismus zeigt sich jedoch recht deutlich, daß die auf uns gekommenen Fassungen Varianten eines alten, verloren gegangenen Originals sind. Derselbe lautet in der ersten Fassung:

„Der Seelen Vater gestattet nicht solche Ausschweifungen des Eigenwillens;“

bei Plethon:

„Er kann nicht auf deine Wünsche achten, so lange die Binde der Vergessenheit deinen Blick umschleiert, bis endlich diese fallen wird, und das heilige Zeichen des Vaters sich deinem Gedächtniß einprägt.“

Was bei Plethon Text ist, wird in der ersten Fassung ähnlich im Kommentar gesagt, denn daselbst heißt es:

„Erst dann wird unsere Seele sich freier bewegen, wenn sie die Binde der Vergessenheit ihrer himmlischen Heimath zugleich mit den Banden des sie umnachtenden Leibes abgestreift hat. Dann besitzt sie wieder das Vermögen, in die tiefste Vergangenheit und in die ernste Zukunft zu blicken. Aber es kann dieses Vermögen auch schon bei Lebzeiten des Leibes zum Theil erreicht werden, wenn man sich eines heiligen Wandels befleißigt und gewisse magische Sprüche erlernt hat, welche dem Reinen die Pforten der Geisterwelt öffnen.“

Plethon kommentiert:

„Die Vergessenheit der früheren Zustände (Incarnationen) ist eine Folge der Verbindung der Seele mit dem Leibe. Erst nach der Auflösung des letzteren wird ihr Blick wieder freier, und sie begreift nun auch, indem sie ihres früheren Seins wieder bewußt wird, daß ihr Schicksal auf der Erde nur die notwendige Folge ihrer Handlungen und deshalb unabänderlich war.[226] Die freigewordene Seele ist alsdann wieder gottähnlich und allwissend; das ist das Zeichen des Vaters, welches ihr Gedächtniß auffrischt.“

Der sechste Aphorismus der ersten Fassung ist bei Psellos der sechzehnte und bei Plethon der siebente. Sein Wortlaut in den drei Redaktionen ist der Reihenfolge nach: