Dr. Johannes Baumgarten berichtet in der Sphinx[267]:

„Seitdem Charcot 1878 den wissenschaftlichen Bann gebrochen hat, der auf den Magnetisten (nicht zu verwechseln mit den Magnetiseurs) lastete, sind die ‚Profanen‘ allseitig in das sorgfältig gehütete dunkle Gebiet des Occultismus eingedrungen und haben als Gewinn ihrer Streifzüge eine Reihe sogenannte Entdeckungen von Thatsachen heimgebracht, die seit Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden, nur der blinden Schulweisheit unbekannt waren, die sie jedoch unter neuen Namen zuerst an das Licht gezogen zu haben wähnen. Keine einzige der durch die Experimente von Charcot, Baurneville, Richet, Liebeault, Bernheim, Dumontpallier, Preyer u. v. a. herausgestellten Hauptthatsachen des Hypnotismus und der Suggestion ist neu; sie lassen sich nachweisen in den Schriften von Du Potet und dessen Schülern; ja manche bei den ersten Mesmeristen und selbst weiter rückwärts im 18. Jahrhundert.“

„Der Brahmane und spätere portugiesische Abbé Faria, der in dem ersten Viertel unseres Jahrhunderts durch seine Experimente in Frankreich Aufsehen erregte und Schüler wie Noizet und Bertrand bildete, stellte die erste Theorie der Suggestion auf. In vielen Dingen steht er bereits auf heutigem wissenschaftlichem Boden. Sein etwas schwer zu lesendes Werk ist eine Fundgrube für Forscher; man findet darin: Gedankenübertragung, Lesen geschlossener Bücher oder versiegelter Briefe, Fernsehen, Ortsveränderung der Seele &c.“

„Ein anderer Brahmane Lahanteka, der 1854 und 55 Amerika bereiste, bewies in merkwürdigen Experimenten die direkte Wirkung des Willens auf die äußere Welt und zeigte u. a. wie durch einen einfachen Willensakt die Sinne seiner Zuhörer dergestalt von Illusionen befangen wurden, daß sie glaubten, einen Schwarm von Vögeln durch den Saal fliegen zu sehen und deren Gesang zu hören. Von Gedankenlesen gab er ihnen folgenden Beweis:“

„Lahanteka hatte ihnen zu wiederholten Malen unter zwanzig Münzen diejenige richtig bezeichnet, auf welche sie während seiner Abwesenheit ihre Willenskraft koncentrirt hatten. Da schlug einer, ebenfalls in Abwesenheit des Brahmanen, vor, um ihn zu prüfen, unter den Geldstücken keine Wahl zu treffen und sie ihm so vorzulegen. Lahanteka untersuchte die Münzen genau und erklärte dann, man habe auf keine einzige speziell den Gedanken gerichtet; hierauf betrachtete er eben so genau seine Zuhörer und bezeichnete dann richtig denjenigen, der diese Probe vorgeschlagen hatte.“

„Bei aufmerksamer Lektüre der seit dem 16. Jahrhundert erschienenen Reisebeschreibungen wird man auf eine Menge bisher wenig beachteter occultistischer Thatsachen stoßen, die nicht selten durch ihre Übereinstimmung in den verschiedensten Ländern eine entscheidende Beweiskraft für ihre Wirklichkeit und dadurch vielfach fast den Wert direkter Experimente haben.“

„Erst seit sieben Jahren weiß man genauer, daß in den Bazars des Orients eine geheime Korrespondenzweise bekannt ist, wodurch man Nachrichten in die Ferne senden und daraus erhalten kann. Dieselbe heißt Hindostan und im westlichen Asien Khabar (d. h. arab. Nachrichten).“

„Diese bis jetzt für die Wissenschaft unerklärliche Mitteilung geschieht mit der Schnelligkeit des Blitzes, wie Lord Cameron in seinen ‚Erinnerungen an die Drusen‘ sagt:“

„Fragt euch ein Kaufmann, Türke, Araber, Hindu oder Perser, ob ihr die neuesten Nachrichten kennt, und ihr antwortet verneinend, so teilt er euch diejenigen mit, welche der Khabar eben offenbart hat.“

„Hieraus erklärt sich, wie während des Krimkrieges die Brahmanen eher als die Engländer und noch vor dem Eintreffen der telegraphischen Nachricht den Fall Sebastopols und nachher den Abschluß des Friedens von 1856 erfuhren. Das Journal Du Potets erinnert daran, daß 1816 ein kurzer Aufstand unter einigen Völkerschaften im Innern von Hindostan entstand, weil diese – drei Wochen bevor die englische Regierung es erfuhr – die Nachricht von der Niederlage der Engländer am Vormittage von Waterloo erhalten hatten. Kurz darauf traf ebenso schnell die Nachricht vom schließlichen Siege der Engländer ein. An der Thatsache, die in ähnlicher Weise auch in Central- und Nordasien von Reisenden beobachtet wurde, ist kaum zu zweifeln. Aber wie soll man sie erklären? Noch kein wissenschaftlicher Beobachter hat sie untersucht, man ist also auf Vermuthungen beschränkt, da auch von der Benutzung des Hellsehens einer Somnambule dabei nicht die Rede ist.“