„Man könnte denken an den Gebrauch des magischen Spiegels Sarwa anjoun, den die Hindu und Mohammedaner in Indien kennen, und welcher in merkwürdiger Weise an das Experiment des Grafen de Laborde mit dem Magier Achmed in Ägypten erinnert. Die Operationsweise mit diesem Spiegel ist folgende:“
„Man nimmt eine Handvoll von dolichos lablab, welche man über dem Feuer verkohlen läßt und zu Pulver zerreibt und dann mit Biberöl befeuchtet. Hierauf läßt man dieses Präparat in einem neuen irdenen Gefäß, Lota genannt, verbrennen und drückt diese Masse, nachdem man eine gewisse Formel gesprochen hat, in die Hand eines Knaben, der bald darauf darin geheimnisvolle Gestalten und Geister erblickt. – Höchst bemerkenswerth ist, daß eine der ersten Gestalten, welche das Kind erblickt, gewöhnlich die des fourach oder Straßenkehrers ist, dem ein Wasserträger folgt; hierauf kehrt der fourach zurück, breitet einen Teppich aus und es erscheint eine große Schaar von guten und bösen Geistern, bis sich ihr Führer auf einem Throne zeigt und dadurch die Erscheinung zu Ende geht.“
„So geht die Sache in Hindostan vor sich. Nun hat sich aber ganz dasselbe in Kairo beim Experiment Achmeds vor dem Grafen de Laborde gezeigt: Der in seine Hand blickende Knabe beschrieb einen türkischen Soldaten, der einen Platz vor einem Zelte fegte. Die Beweise von Fernsicht, welche das Kind gab, waren durchaus überzeugend.“
„Von einem zum Fernsehen gebrauchten Knaben ist weder beim Khabar noch bei den Sannyasis und Hoyis, welche den Sarwa anjoun handhaben, die Rede. Es muß also eine andere Erklärung gesucht werden, und da dürfte denn die von einem Herrn Magliulo 1856 zu Bona in Algerien (jedenfalls im Verkehr mit den dortigen Arabern) gemachte Entdeckung eines höchst einfachen, Ferngesichte erzeugenden Zauberspiegels eine Handhabe bieten. Nach Du Potets Journal (XV, 494) bereitet man diesen Spiegel auf folgende Weise:“
„Man schwärzt mit Tinte in der Höhlung der linken Hand eine Fläche von der Größe eines Zehncentimes-Stückes, gießt 2–3 Tropfen Öl darauf, den Flecken magnetisiert man durch einige Striche mit der rechten Hand, was auch ein anderer eine halbe Minute lang thun kann, hierauf lehnt man die Hand irgendwo an, um sie nicht ermüden zu lassen, und haftet unverwandt den Blick ohne die Augen und Gedanken jemals abschweifen zu lassen, auf den schwarzen Flecken in der linken Hand und erwartet die sicher eintreffenden Erscheinungen und verlangten Fernblicke ab. Personen von nervösem oder lymphatischem Temperamente erhalten dieselben recht bald, vollkommen gesunde und kräftige oft erst nach längerer Zeit.“
„Die Möglichkeit dieser Operationsweise beim Khabar läßt sich nicht ohne weiteres zurückweisen, da eine Reihe ähnlicher Beobachtungen mit anderen sogenannten Zauberspiegeln vorliegen. Das Ganze beschränkt sich auf eine braidistische Konzentration des Blickes und Gedankens, die eine Auto-Hypnose erzeugt, welche bei hysterischen und nervösen Personen die bekannten Erscheinungen unzweifelhaft zur Folge haben. Es kann nicht eindringlich genug darauf aufmerksam gemacht werden, daß diese Auto-Hypnose wie überhaupt alle Auto-Magnetisations-Experimente äußerst gefährlich sind, daß häufig Wahnsinn, selbst Tobsucht eintritt, jedenfalls eine dauernde Disposition zu Delirien und Wahnvorstellungen. Aubin Gauthier machte schon auf die Gefährlichkeit der vor ihm so genannten Ipso-Magnetisation aufmerksam in dem Falle, wo sie die Erzeugung eines somnambulen Zustandes bezwecke. Es treten zuweilen unheimliche Zustände einer Art von fast dämonischer Besessenheit mit entsetzlichen Hallucinationen ein, wie sie uns Du Potet beschreibt, der sie an sich selbst erfahren hat. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unerwähnt lassen, daß Paul Gibier in seinen beiden letzten Schriften und mehrere andere Sachkenner es für einen höchst gefährlichen Unfug halten, wenn sogenannte Antispiritisten und Hallucinationskünstler in Deutschland umherziehen und mit ihren hypnotistischen Experimenten die unwissende Menge, wozu auch auf diesem Gebiete die meisten Gebildeten gehören, verblüffen. ‚Es sind Kinder‘, sagte er, ‚welche mit Dynamitpatronen spielen.‘“
„Wir gehen jetzt über zur Schilderung einiger occultistischer Merkwürdigkeiten aus Tibet, welche wir den Reisebeschreibungen des Missionars Huc entnehmen. Die Werke dieses Reisenden wurden auf den Index gesetzt und er selbst seiner Stelle als Missionar entkleidet, weil er in naiver Weise die Übereinstimmung einer Reihe katholischer Ceremonien und Gebräuche mit tibetanischen wahrheitsgetreu ans Licht gezogen und ebenso über einige Wunderdinge, die er unter den Lamas mit eigenen Augen gesehen, berichtet hatte. Einiges harrt noch der wissenschaftlichen Erklärung und Bestätigung, anderes, wie die Schaustellungen der Bokte-Lamas, ist heute durch ähnliche Beobachtungen in Kleinasien und Nordafrika vollständig außer Zweifel gesetzt.“
„Wir gehen jetzt zu einer andern occultistischen Thatsache über, deren Bericht dem Missionär Huc[268] den Spott und Hohn der wissenschaftlichen Welt, namentlich der Mediziner, zuzog, die aber heute durch ganz dieselben Beobachtungen in andern Ländern in die Reihe jener zahlreichen, scheinbar unmöglichen und übernatürlichen Thatsachen gerückt worden ist, deren Erklärung auf positiv wissenschaftlichem Boden gegenwärtig teils schon erfolgt ist, teils mit Zuversicht erwartet werden kann. Allerdings wird das Ergründen der letzten atomistischen Vorgänge für uns Erdensöhne ewig ein vergebliches Suchen bleiben; man wird zuletzt immer auf ein unbegriffenes Residuum stoßen, wie dies selbst bei einigen Vorgängen des Telephonierens der Fall sein dürfte.“
„Die in ganz Tibet berühmten Schaustellungen der Bokte-Lamas finden an den großen religiösen Festen in den buddhistischen Klöstern statt. Vor der Tempelthüre im Klosterhof wird ein großer Altar errichtet, welchen zahlreiche im Kreise geordnete Lamas und die dichtgedrängte Schaar der Pilger schweigend umlagern. Der Bokte-Lama, der stets den untern Stufen der Hierarchie angehört, erscheint, schreitet würdevoll zum Altar und setzt sich darauf unter dem Beifallrufen der Menge. Hierauf nimmt er ein großes Messer aus seinem Gürtel und legt es vor sich auf die Kniee. Nun erheben die Lamas, die zu seinen Füßen sitzen, die schrecklichen Anrufungen und Gebete dieser scheußlichen Ceremonie. Unter den fortdauernden Gebeten beginnt der Lama an allen Gliedern zu zittern und mehr und mehr in wahnsinnige Krämpfe zu gerathen. Bald verlieren die Lamas alles Maaß; ihre Stimmen werden begeistert, ihr Gesang wird unordentlich und übereilt; das Hersagen der Gebete geht zuletzt in Schreien und Heulen über.“