Es flimmerte vor seinen Augen, als er dieses Resultat vor sich sah, und er mußte, unfähig, die Beobachtungen diesen Tag länger fortzusetzen, den Fakir für den nächsten Tag zu sich laden.

Nachdem er einen Teil der Nacht über diese Dinge nachgedacht, dann in der folgenden Sitzung die Phänomene des vorigen Tages in gleicher Art hatte wiederholen lassen, bat Jacolliot den Fakir, noch einmal anzufangen, richtete aber sein Verhalten nach einer von ihm gemachten Voraussetzung ein. Er änderte nämlich im Geiste die Buchstaben jener Phrase, wie er meinte, beibehaltend, die Stellung derselben und erhielt so durch dieselbe Prozedur wie am vorigen Tage die Namen:

Halbin Pruniet, mort à Bourg-en-Bresse, 3. Janvier 1856.

Jacolliot wollte auch den Namen der Stadt und den Todestag ändern, gelangte aber nicht dazu, sondern erhielt wieder:

mort à Bourg-en-Bresse, 3. Janvier 1856.

Vierzehn Tage nacheinander ließ Jacolliot den Fakir kommen, welcher die größte Hingebung bewies, und veränderte fortwährend seine Versuche, bald erhielt er Änderungen in den Buchstaben jenes Namens, die denselben ganz unkenntlich machten, bald Modifikationen des Tages, Monats und Jahres des Todes, nie aber eine Änderung im Namen der Stadt, woraus er, immer von der Voraussetzung einer natürlichen Kraft ausgehend, die den Fakir und die Blätter in Verbindung setze, schloß, daß er vielleicht sein Wissen der wahren Orthographie vielleicht nicht bei allen Worten genügend isoliren könne. Er wiederholte dann noch öfter zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Subjekten die Versuche, ohne zu einem andern Resultat zu gelangen. Während einesteils die materiellen Phänomene sich sozusagen konstant reproduzierten, wechselte ebenso konstant die Verschiedenheit in Übertragung der Gedanken, und zwar von ihm gewollte oder ganz gegen seinen Willen eingetretene Verschiedenheit.

In der letzten Sitzung mit dem Fakir machte dieser mit einer gewöhnlichen Pfauenfeder die leere Schale einer Wage sinken, während die andere mit 80 Kilos belastet war; auf einfache Auflegung seiner Hände flog ein Blumenkranz in die Luft; man hörte in dieser unbestimmte Töne, und eine ätherische Hand schrieb in der Luft leuchtende Zeichen, Phänomene, die Jacolliot damals für reine Phantasmagorie hielt und von denen später noch die Rede sein wird. Die erwähnten materiellen Phänomene ließen auch bei der strengsten Untersuchung keinerlei Betrug entdecken, hinsichtlich der psychologischen hat er nichts ganz Festes und Unveränderliches erhalten und neigt sich mit Ausschluß aller natürlichen Einwirkung zu der Ansicht, daß die Phänomene auf einer „fluidischen Gemeinschaft“ zwischen ihm und dem Operateur beruhen. Seine richterlichen Funktionen einerseits und dann die Studien über das alte Indien gestatteten ihm nicht die Fortsetzung dieser Untersuchungen, doch zeichnete er Alles auf, was sich auf die Lehre von den Pitris und den Geisterglauben bezog, ebenso was ihm über die materiellen Wirkungen des Fakirs kund wurde, in der Absicht, das über diese fremdartigen Gegenstände Gefundene später bekannt zu machen, wobei er sich jedoch bloß als Historiker verhalten wollte, da er nach seiner Aussage zu keiner wissenschaftlichen Ansicht hierüber kommen konnte.

Jacolliot glaubt jedoch, daß in der Natur und im Menschen, der in der Welt doch nur ein Atom ist, unermeßliche Kräfte liegen, deren Gesetze man jetzt noch nicht kennt, aber sie entdecken wird, und daß die Zukunft Dinge als Wirklichkeiten erweisen wird, die man jetzt für Träumereien hält, und Phänomene sehen wird, die man jetzt nicht einmal ahnen kann. Man könnte vielleicht einwenden, die Indier hätten seit tausenden von Jahren nicht vermocht, die Gesetze jener Phänomene festzustellen und man solle seine Zeit damit nicht weiter verlieren. Aber bei den Brahmanen, die alles unter den religiösen Glauben gebeugt haben, giebt es eben wegen des Glaubens weder Erfahrung noch wissenschaftliche Prüfung, und was hat, fragt Jacolliot, das Mittelalter, das seine Grundsätze aus dem Text der Bibel holte, von Wissenschaft zu Tag befördert? Man hat in den Pagoden die Dampfkraft gekannt und durch sie Vasen zersprengen lassen, man hat auch einige Äußerungen der Elektrizität beobachtet, ist aber weder zu Eisenbahnen, noch zu Telegraphen gekommen, die freilich auch bei uns von sehr gelehrten Gesellschaften als Schwindel behauptet worden waren. Das, was er in Indien sah, bringt Jacolliot schließlich zum Ausspruch, daß im Menschen eine spezifische Kraft vorhanden sein müsse, die unter einer unbekannten, oft intellektuellen Leitung wirkt, eine Kraft, deren Gesetze durch vorurteilsfreie Männer studiert werden sollten. Und ist es am Ende nicht die gleiche Kraft, welche, durch Erziehung und Leitung entwickelt, die Tempelpriester der alten Völker in den Stand setzte, der Menge durch angebliche Wunder zu imponieren? Dann wäre manches begründet, was uns in den alten Überlieferungen geboten wird, und neben abergläubischen Vorstellungen hätten wir auch reale Wirkung einer natürlichen Kraft vor uns.