Die besseren Menschen kehren nach dem Tode als Dämonen in ein reineres Leben zurück, die gewöhnlichen aber sinken weiter zum Hades herab.[540] Übrigens ist alles voll von Seelen und Dämonen.[541]

Wenn wir leben, sind unsere Seelen tot und in unseren Leibern begraben; erst wenn wir sterben, erwachen sie zum vollen Bewußtsein und Leben.[542]

Der Dämon des Menschen ist sein Gemüt. Von diesem hängt es allein ab, glücklich zu leben und sich in die Weltordnung zu finden.[543] Die Meinung, daß die Gottheit nach Belieben Glück oder Unglück verhänge, vertrug sich nicht mit Heraclits Einsicht in die Gesetzmäßigkeit des Naturlaufs. Wohl aber glaubte er an die Möglichkeit der Weissagung und erkannte z. B. in den Sprüchen der Sibylle eine höhere Eingebung.[544]

In politischer Hinsicht war Heraclit ein Freund der Freiheit, und eben darum ein schroffer Gegner der Demokratie, die auch den Besten nicht zu gehorchen und keine hervorragende Größe zu ertragen weiß.[545]

Er legte seine Bücher über die Natur als ein frommes Opfer im Tempel der großen Diana zu Ephesus nieder.[546]

Creuzer, Symbolik und Mythologie II. 196, hat zuerst die Vermutung ausgesprochen, daß Heraclit ein Schüler der Zoroastrischen Lehre gewesen. „Was ihm der Orient und Egypten in der Religion seines Vaterlandes dargeboten, was er aus eigenem dort erleichterten Verkehr mit dem Morgenlande geschöpft hatte, durchdrang er mit griechischem, scharfen Geiste, begründete er durch eigenes tiefes Denken, brachte es in systematischen Zusammenhang, und machte es fruchtbar für sein Volk.“

„Aus sich hat er also vieles genommen; aber daß er alles aus sich genommen, daß er im strengsten Sinne Erfinder seiner Lehre sei, ist nicht zu glauben.“ „Heraclit geht sichtbar von der Priesterlehre und von Symbolen der Lichtreligionen aus.“

Auch bei Zoroaster ist die Feindschaft, der Streit, der Grund der endlichen Dinge. „Bedeutet doch des Bogens Namen (βίος) Leben, sein Geschäft aber ist der Tod.“[547] Daß diese Sätze in die Ephesische Priesterdogmatik aufgenommen waren, wäre schon aus dem nachgewiesenen Zusammenhange der Artemisischen Religion mit dem Feuerdienste Oberasiens wahrscheinlich. „Die ganze Feuerlehre des Ephesers ist in Prinzip und Folgerungen Magismus, besonders sein Satz von der Geburt der Götter aus dem Feuer.“[548] Freilich auch bei den Egyptern finden wir Phtha, das Urfeuer, und selbst die Sonnentheorie des Heraclit.

„Aus den Lichttheorien des Orients hatte er den Inhalt seiner Lehren genommen, von dort nahm er auch seine Bilder.“

„Ob nun dieser Heraclitus einen Zoroaster geschrieben, wie spätere Zeugen wollen, oder nicht, ist gleichgültig. Es ist genug, daß er Zoroastrisch philosophiert hat, daß er gelehrt hat, wie der alte große Lichtlehrer Zerethoschtro, der Stern des Goldes.“