In dem genannten chaldäischen Epos wird das Land ohne Heimkehr nach dem Vorbilde der Planetensphären in sieben konzentrische Kreise geteilt, zu welchen „sieben Thore und Verschlüsse der Welt“ führen, die man sich vermutlich rings um den Saum der Erde verteilt dachte. Der Haupteingang in die Unterwelt, welchen der Gott Negab (Thürhüter), „der große Thürhüter der Welt“ bewachte, lag im Westen in der Nähe des „großen Berges“, welcher dem „Berge des Ostens“, der „Wiege des Menschengeschlechts“ und dem „Versammlungsort der Götter“ gegenüberliegt.
Während die Pelasger die Götter der Unterwelt als die Erzeuger der Fruchtbarkeit verehrten, verehrten die Akkader die Sonne der Unterwelt[36] als den Gott der glänzenden Steine und Metalle, aus welchen die Talismane gefertigt wurden. Die magischen Bücher kennen einen Gott des Goldes, des Silbers und Kupfers, einen „Gott und Herrn des Ostens in seinem Berg von Edelsteinen“ und einen „Gott der Ceder“, welcher namentlich bösen Zauber abwendete.
In einem Hymnus an Nin-dara werden öfter kostbare Steine erwähnt, deren talismanische Kräfte ihr Besitzer Nin-dara gegen das feindliche Land richtet, woraus sich wohl die Thatsache erklären läßt, daß das Altertum den Ursprung des talismanischen Zaubers nach Chaldäa verlegt. Das Buch, welches nach Angabe des Plinius der Babylonier Zacharias über Talismane verfaßte und dem König Mithridates widmete, gehörte wahrscheinlich zu den Produkten der griechisch-babylonischen Litteratur, welche zu den alten akkadischen Zauberbüchern in einem ähnlichen Verhältnis standen wie die hermetischen Bücher zu den Schriften der alten Ägypter.
Die der Hölle entsprossenen Dämonen hegen wie die Schwarzkünstler eine große Vorliebe für die Finsternis und schleichen unter dem Schutz der Finsternis als Plagegeister umher, welche die Menschen überall belästigen und heimsuchen. Die Finsternis galt deshalb als sichtbare Offenbarung des bösen Prinzips ebenso wie das Licht als Offenbarung des guten. Utu, die Tagessonne, verscheucht die Dämonen und Zauberer:
„Du machst die Lüge schwinden, du vernichtest den bösen Einfluß
Der Wunder, Vorbedeutungen, Zaubereien, Träume und schädlichen Erscheinungen.“
Ein anderer Gegner der Dämonen und Zauberer ist Ini oder Mermer, der Gott der Winde und fruchtbaren Regen, welcher später in den chaldäischen Bin oder Ramann, den Gott aller atmosphärischen Erscheinungen umgewandelt wurde.
Auch der Feuergott Bil-gi ist ein mächtiger Widersacher der Zaubereien und Bekämpfer der bösen Dämonen, als welchen ihn folgendes Fragment preist:
„Der du die bösen Maskim verjagst,
Der du gedeihen läßt die Wohlfahrt des Lebens,
Der du des Bösen Brust in Schrecken bannst,
Hüter des Orakels des Mul-Gelal.
Feuer, Vernichter des Feindes,
Schreckliche Waffe, welche die Pest vertreibt,
Welche befruchtet und leuchten läßt,
Welche unter den sieben Göttern die Bösen vernichtet.“
Ini, der altakkadische Feuergott, nahm bei den Babyloniern einen solaren Charakter an und wird als Izdhubar der Held eines der bedeutendsten chaldäischen Epen, in welchem auch die Sintflutmythe eine besondere Episode bildet. Er wird wie Bil-gi der Herr der Talismane genannt, und seine hauptsächlichsten Prädikate sind: puvalu, Riese, und puvalu-emuki, Riese an Macht. Sein Abzeichen ist das Schilfrohr, welchem wir als Zauberstab schon oben begegneten, und das später an Silik-mulu-khi übergeht.