Fritz: Heute habe ich aber mal ganz was Merkwürdiges gesehen, Vater!
Dr. E.: Nun, was war denn das?
Fritz: An unserm Spiegel oben im Fremdenstübchen, aus dem ich für Mutter etwas holen sollte, saß eine tote Fliege wie festgeklebt, und ringsherum war es wie ein weißer Hauch, so daß ich noch im Scherz zu Kurt sagte: Das sieht aus, als wenn die Fliege hier ihre Seele ausgehaucht hat.
Der Pilz der Stubenfliege. Sporen
Dr. E.: Wenn du das heute zum erstenmal gesehen hast, so glaube ich schon, daß es dir verwunderlich war. Häufig genug ist sonst diese Erscheinung, und wenn du darauf achten gelernt, wirst du sie in jedem Herbst bei zahllosen toten Fliegen beobachten. Die armen Tiere fallen eben in ganzen Scharen einem abscheulichen Pilze[19] zum Opfer.
Kurt: Einem Pilze? Das ist aber doch zu wunderbar!
Dr. E.: Und warum scheint dir das so unglaublich?
Kurt: Erstens hätt’ ich nicht gedacht, daß es so kleine Pilze gibt, die in einer Fliege Platz haben; und dann wußte ich nicht, daß Pilze lebendige Tiere fressen können.
Dr. E.: Was zunächst den letzten Punkt anlangt, so steht der Fall mit unserer Fliege keineswegs vereinzelt da. Alle Pilze, ohne Ausnahme, sind Schmarotzer, d. h. sie können nicht wie die übrigen Pflanzen ihre Nahrung aus der Luft und dem Erdboden allein entnehmen, sondern sie brauchen, ähnlich wie die Tiere, Stoffe aus dem Pflanzen- oder Tierreiche, um zu leben.
Fritz: Aber die Schwämme im Walde wachsen doch auf dem Erdboden!