Kurt: Hast du denn schon mal so etwas erlebt, Vater?

Dr. E.: Leider, mein Sohn. Mir sind im Laufe der Jahre auch hier bei uns eine ganze Reihe von Fällen bekannt geworden, die recht schlimm waren. Häufiger noch ist allerdings dieses Leiden dort, wo die Menschen in viel engerer Gemeinschaft mit den Hunden leben als bei uns. So ist namentlich von Island bekannt, daß dort eine Menge Menschen an der Finne des Hundebandwurms zugrunde gehen.

Hans: Nun will ich auch unsern Karo nicht mehr küssen!

Dr. E.: Nein, mein Junge; es wäre doch zu traurig, wenn der Doktor deinen Bauch aufschneiden und die halbe Leber herausholen müßte!

Fritz: Ist es denn aber nicht sehr merkwürdig, Vater, daß ein und derselbe Bandwurm in der Jugend und im Alter in zwei ganz verschiedenen Geschöpfen lebt? Ich meine, wenn der reife Bandwurm glücklich einmal den für ihn günstigen Platz gefunden hat, also z. B. den Darm eines Hundes, so wäre es doch für die Jungen viel vorteilhafter, wenn sie gleich wieder an derselben Stelle zu ordentlichen Bandwürmern auswachsen könnten? Bei diesem Verstreuen der Eier durch den Wind auf Pflanzen, die dann erst wieder von andern Tieren gefressen werden müssen, wird doch gewiß ein großer Teil dieser Eier nie in den Magen irgendeines Tieres gelangen und daher einfach zugrunde gehen?

Dr. E.: Es scheint ja fast, als wenn du recht hast, und als wenn die Natur umständlicher zu Werke ginge, als es nötig wäre. Aber die Sache hat doch einen bedenklichen Haken. Denke dir, es wäre wirklich so, wie du es für zweckmäßig hältst. Dann würden also im Darm eines Hundes neben dem alten Bandwurm bald Hunderte und Tausende von jungen sich entwickeln. Auch diese brächten bald wieder Eier hervor, kein Keim ginge verloren, und das Wurmparadies in diesem Hundedarm wäre anscheinend fertig. Nun aber wird dem Hunde dabei natürlich immer ungemütlicher, und selbst, wenn ihn seine Würmer nicht zu Tode quälen, muß er doch eines schönen Tages ins Gras beißen. Er stirbt, wie eben alle Tiere sterben, und was wird nun aus deiner ganzen Wurmherrlichkeit?

Fritz: Ja, wenn dann die Würmer nicht auswandern können, so müssen sie wohl alle mit zugrunde gehen.

Dr. E.: Das Auswandern würde wohl kaum etwas nützen, da eben ein Bandwurm sich in der freien Natur nicht ernähren kann. Es ist also tatsächlich so, daß von all den Tausenden von Würmern, welche sich im Laufe der Zeit bei unserm Hunde entwickelt hätten, auch nicht ein einziger mit dem Leben davon käme. Da aber nun sämtliche Hunde, die z. B. heute auf der Erde leben, in etwa 20 Jahren gestorben sein werden, so ist es klar, daß, wenn von keinem derselben während seines Lebens ein Bandwurmkeim nach außen gelangte, wenn also auch kein jüngerer Hund einen solchen in sich aufnehmen könnte, nach dieser Zeit mit dem letzten von Würmern besetzten Hunde auch der letzte Bandwurm zugrunde gehen würde. Das Geschlecht der Hundebandwürmer hätte dann überhaupt zu bestehen aufgehört.

Kurt: Aber das wäre doch ganz famos, wenn diese scheußlichen Tiere nicht mehr auf der Welt wären!

Dr. E.: Von unserm Standpunkte aus gewiß. Aber die Natur richtet sich durchaus nicht nach dem, was wir wünschen. Ein jedes Geschöpf ist — ich habe das schon einmal, wie wir von den Spinnen sprachen, hervorgehoben — ebensogut zum Leben berechtigt, wie wir selbst. Wenn wir daher die Einrichtungen in der Natur verstehen wollen, so müssen wir fragen, nicht inwiefern sie für uns, sondern inwiefern sie für das betreffende Geschöpf zweckmäßig sind, für das sie bestehen.