Fritz: Daß die Eier des Bandwurms oder seine Jungen eine Gelegenheit haben müssen, den alten Hund zu verlassen, sehe ich jetzt wohl ein; aber warum können sie nicht gleich wieder in einen jungen Hund gelangen, warum müssen sie erst in einem ganz andern Tier zur Finne werden?

Dr. E.: Diese Frage kann ich dir nur zum Teil beantworten. Es gibt nämlich Eingeweidewürmer genug, deren Eier sofort nach der Auswanderung sich in dem Darm derselben Tierart wieder zu reifen Würmern entwickeln, wie beispielsweise unsere Spulwürmer[42] und die mit Recht so sehr gefürchteten kleinen Madenwürmer[43] oder Pfriemenschwänze. Wenn aber ein solcher Jugendzustand, wie ihn die Finne darstellt, einmal vorhanden ist, so leuchtet ein, daß derselbe am vorteilhaftesten in solchen Tieren sich entwickelt, welche dem Besitzer des reifen Bandwurms zur Nahrung dienen. Hunde pflegen sich gegenseitig nicht aufzufressen. Eine Finne im Hundefleisch hätte also nur wenig Aussicht, in den Darm eines Hundes zu gelangen, um dort zur Bandwurmkette auszuwachsen. Das Schaf aber, das Rind, überhaupt die Pflanzenfresser bilden die natürliche Nahrung der hundeartigen Raubtiere, und so sehen wir auch hier wieder, daß unter den obwaltenden schwierigen Umständen tatsächlich das Zweckmäßigste für die Erhaltung des Geschlechtes der Bandwürmer geschehen ist.

Kurt: Aber es kann doch immer nur ein großer Zufall sein, daß so ein Bandwurmei oder mehrere in eine Kuh geraten!

Dr. E.: Das ist es auch. Aber wie ich schon sagte, ist die Zahl der von einem einzigen Bandwurm hervorgebrachten Eier eine so ungeheure, daß es auf ein paar Hunderttausend nicht ankommt. Wenn von vielen, vielen Tausenden nur eines ans Ziel, d. h. in den Körper eines Wiederkäuers und von da wieder in den Magen eines Hundes gelangt, so ist die Erhaltung der Art gesichert. Zudem sind die Beziehungen zwischen den beiden Tierarten, welche Finne und Bandwurm in stetem Wechsel aufeinander übertragen, in vielen Fällen weit inniger, als zwischen Kühen und Hunden.

Fritz: Wie meinst du das „inniger?“

Dr. E.: Nun, ich denke, zwischen Fuchs und Hase z. B. besteht eine solche engere Beziehung. Der Fuchs frißt jedenfalls in seinem Leben eine ganze Menge Hasen, und diese wieder leben in denselben Waldrevieren, fressen die Kräuter, über welche die Bandwurmeier aus dem Kot des Fuchses durch den Wind zerstreut sind. Noch interessanter ist die Wechselbeziehung zwischen unserm Hunde und der winzigen Hundelaus, die auf seinem Körper lebt. Die Hundelaus beherbergt eine Finne, und der Hund, der sie von seinem Fell wegbeißt, bekommt davon einen ganz gehörigen Bandwurm.[44]

Kurt: Dann hat also der Hund verschiedene Bandwurmarten?

Dr. E.: O ja, eine ganze Anzahl. Einer ist sogar darunter, der dem Menschen jährlich Millionen kostet.

Kurt: Wieso denn? Sterben die Hunde davon?

Dr. E.: Die Hunde nicht, wohl aber die Träger der Finnen, die Schafe!