Kurt: Und die Milch, die im Kern ist?
Dr. E.: Nun, wir haben ja neulich erst besprochen, daß im Innern jedes Samens ein kleines Pflanzenkind schlummert —
Kurt: Ach, das ist großartig, daß die jungen Kokosnußpflänzchen auch Milch bekommen, wie die Kinder!
Dr. E.: Schön wär’s, Kurt. Nur schade, daß diese „Milch“ der Hauptsache nach nichts weiter ist als reines Wasser, — und von Wasser pflegen Kinder doch nicht fett zu werden.
Kurt: Das ist wahr. Dann wird diese Milch den Pflänzchen wohl wenig nützen.
Dr. E.: Wenigstens nicht so, wie du dachtest. Dafür ist ja auch die dicke Außenschicht des Kerns vorhanden, die ihr so gern eßt, und in der eine Menge Nahrungsstoffe aufgespeichert sind, die von dem Keimpflänzchen durch Anlagerung seiner Keimblätter an diese Schicht nach und nach aufgezehrt werden. Trotzdem ist das Wasser im Innern durchaus nicht überflüssig.
Kurt: Oh, daß die Pflanzen beim Keimen Wasser brauchen, weiß ich schon. Deshalb muß man ja die Samen auch immer begießen, die man gepflanzt hat. Aber warum die Kokosnüsse dies Wasser nun gleich bei sich haben müssen, verstehe ich nicht recht.
Dr. E.: Es scheint, als wenn das mit dem Standort zusammenhängt, an dem die Kokosnüsse keimen. Das ist der salzige Meeresstrand, und da dürfte es für die junge Keimpflanze wichtig sein, daß sie zunächst das von der Mutter mitgegebene süße Wasser beim Aufbau ihrer ersten Blätter und Wurzeln verwenden kann, ehe sie zu dem für viele Pflanzen so schädlichen Salzwasser ihre Zuflucht nehmen muß.
Fritz: Zu wunderbar, wie die Natur sich immer zu helfen weiß! — Sag’ mal, wird nicht aus der dicken Außenschicht des Kerns, die man essen kann, auch das Palmöl gewonnen?
Dr. E.: Nein, Fritz. Da wirfst du zwei Dinge zusammen, die allerdings in ihren Eigenschaften und ihrem Gebrauch ziemlich viel Ähnlichkeit haben. Die Kerne der Kokospalme liefern zerschnitten die sogenannte Kopra, einen wichtigen Handelsartikel Ostindiens und der Südsee. Aus dieser wird Kokosöl gewonnen. Das Palmöl hingegen stammt hauptsächlich von einer afrikanischen Palme, der Ölpalme[49]. Ihre Früchte sind nicht größer als kleine Pflaumen und haben auch wie diese ein saftiges Fruchtfleisch und einen festen Kern. Aus dem Fruchtfleisch gewinnen bereits die Neger durch Kochen und Auspressen eine Menge Öl, das fast wie Butter aussieht; die Kerne aber kommen als Palmkerne meist nach Europa und werden hier ebenfalls auf Öl verarbeitet. — Neben der Ölpalme benutzt man auch noch eine Reihe anderer Arten zur Ölgewinnung.