Fritz: Aber das ist ja kaum zu begreifen, Vater!
Dr. E.: Ja, seltsam genug ist die Sache. Die Feige ist eben keine Frucht, sondern ein hohler Blütenstiel. Während nun bei andern Pflanzen die Blüten, etwa zu einer Ähre vereinigt, außen an diesem Blütenstiel sitzen, sind sie bei der Feige in das Innere desselben versenkt und bilden so die Auskleidung seiner weiten, bauchigen Höhlung.
Kurt: Das hätte ich doch kaum für möglich gehalten, daß ein ganzer Zweig mit vielen Blüten so völlig wie eine einzige Frucht aussehen kann.
Dr. E.: Aber daß ein ganzer Blütenstand aus vielen Blüten wie eine einzige Blüte aussehen kann, hast du doch schon oft gehört.
Kurt: O gewiß! Das ist ja bei allen Korbblütlern so. Die Sonnenblumen, Kamillen und Gänseblümchen zeigen das sehr schön.
Dr. E.: Nun also! Außerdem haben wir ein sehr hübsches Beispiel hierfür an einer unserer häufigsten Blattpflanzen. Seht nur hin, da blüht sie ja!
Fritz: Ach, die Kalla![64] Ja, das haben wir mal in der Schule gehabt. Das weiße Blatt der sogenannten Kallablüte ist nur ein gefärbtes Hochblatt, und der gelbe Kolben, der da herausguckt, ist ein ganzer Blütenstand von vielen kleinen unscheinbaren Blüten.
Dr. E.: Sehr schön, Fritz. Weißt du denn, wie man die Pflanzenfamilie nennt, zu der unsere Kalla gehört?
Fritz: Ja, das ist die Familie der Arongewächse. Wir haben ja auch in unsern Sümpfen eine Kalla-Art[65], die fast gerade so aussieht wie die Topf-Kalla, und außerdem gibt es noch den Aronstab[66], der in den Wäldern wächst und ein grünes Hochblatt hat.
Dr. E.: Dann könntest du als dritten im Bunde noch den schilfartigen Kalmus[67] nennen, der überall bei uns am Wasser sich findet. — In den Tropen haben übrigens die Arongewächse eine große Bedeutung, und viele werden ihrer schönen Blätter wegen in Treibhäusern gezogen. Auch unser Philodendron mit den seltsamen runden oder ovalen Löchern in den Blättern ist ein Arongewächs.