Dr. E.: Wie du weißt, stellt jedes Licht gewissermaßen eine kleine Gasfabrik dar. Das feste Stearin wird zuerst flüssig, steigt dann in dem Docht empor und zersetzt sich hier in ein Gemisch verschiedener Gase, welche nun durch Verbrennen die Flamme liefern. Hast du nun den Docht oben durch Berührung mit dem brennenden Zündhölzchen erhitzt, so schmilzt zunächst und sehr schnell das wenige Stearin, welches in dem freistehenden Dochtende steckt, und liefert sogleich das nötige Gas für das erste Aufflammen. Diese geringe Menge ist aber natürlich schnell verbraucht, die Flamme würde verlöschen, wenn nicht von dem oberen Ende des Lichtes selbst neue Nahrung zugeführt würde. Da das Stearin des Lichtes aber bei der niedrigen Temperatur in eurem ungeheizten Schlafzimmer nur langsam schmilzt, so dauert es eine Weile, bis sich durch die andauernde Wärme eine genügende Menge davon unterhalb des brennenden Dochtes verflüssigt hat. Erst wenn dies geschehen und aus dem so gebildeten kleinen Reservoir die Flüssigkeit in reichem Maße mittels der Dochtfäden emporsteigt, kann die Flamme ihre ganze Leuchtkraft entfalten.

Kurt: Dann wird man diese Erscheinung also namentlich im Winter beobachten?

Dr. E.: Bei guten Lichtern jedenfalls, da der Fabrikant bei Herstellung seiner Ware gewiß das richtige Verhältnis von Docht und Schmelzbarkeit der Lichtmasse beachten wird. — Nun aber zur letzten Frage, die Fritz noch zu stellen hat.

Fritz: Man hat doch gesagt, der Verbrauch an Seife sei ein Maßstab für die Kultur des Menschen. Nun sehe ich eigentlich nicht ein, warum denn gerade die Seife so gut für die Reinigung ist. Man sollte doch meinen, Wasser allein müßte schließlich dieselben Dienste tun. Ich weiß ja wohl, daß Seife den Schmutz leichter fortnimmt; aber warum das so ist, darüber möchte ich gern etwas wissen.

Dr. E.: Wenn du schon etwas organische Chemie in der Schule gehabt hättest, würdest du dir die Frage leicht selber beantworten können. So aber, fürchte ich, wird dir meine Antwort nicht ganz verständlich sein. Jedenfalls weißt du aber, daß die menschliche Haut überall mit kleinen Drüsen besetzt ist, den Schweiß- und den Talgdrüsen. Letztere liefern ein flüssiges Fett, welches die Haut geschmeidig erhält und in feiner Schicht den ganzen Körper überzieht. Staub und sonstige Unreinigkeiten haften vornehmlich wegen dieser Fettschicht so fest auf dem Körper. Reines Wasser, das sich mit Fett bekanntlich nicht mischt, und es noch viel weniger auflöst, ist daher ein höchst mangelhaftes Reinigungsmittel für unsere Haut. Anders die Seife, die in konzentrierter Form Fett aufzulösen vermag und daher auch die mit Schmutz gemischte zarte Fettschicht unseres Körpers auflöst, so daß dieselbe nun leicht vom Wasser fortgespült werden kann.

Fritz: Das ist ja gar nicht so schwer zu verstehen. — Was ist denn aber nun eigentlich Seife?

Dr. E.: Ei, du denkst wohl, noch eine vierte Frage einschmuggeln zu können? Das darf ich doch nicht zugeben. Ich will euch aber sagen, wie man Seife machen kann; das wird ebensogut sein, weil du die chemischen Bezeichnungen doch schwerlich verstehen würdest.

Fritz: Ach, Vater, das dürfte uns nur wenig nützen; wir haben ja doch keine Chemikalien.

Dr. E.: Die braucht ihr ja gar nicht. Alles, was dazu nötig, findet sich sicher schon im Hause. War es doch früher allgemein Sitte, daß die Hausfrauen sich ihren Bedarf an Seife zum Zeugwaschen selber herstellten.

Kurt: Bitte, dann erzähle, wie’s gemacht wird.