Kurt: Wie lange braucht denn die Spinne, um so ein Netz zustande zu bringen?
Dr. E.: In der Regel ist sie in wenigen Stunden damit fertig. Ihr kennt ja doch die hübsche Sage vom Mohammed, der seinen Verfolgern nur dadurch entging, daß eine Spinne alsbald ihr Netz in dem Eingange der Höhle ausspannte, in welche er sich geflüchtet hatte.
Fritz: Unklar ist mir doch noch, wie nun die Spinne mit einem solchen radförmigen Netz Insekten fangen kann. Bleiben denn die Tiere an den Fäden kleben? Dann müßte doch auch die Spinne in der Mitte ebensogut einmal festkleben.
Dr. E.: Das Feld in der Mitte des Netzes, wo die Spinne sitzt, die sogenannte Warte, ist aus trockenem, nicht klebrigem Spinnstoff gefertigt, so daß die Spinne dort nicht vorsichtig zu sein braucht. Dasselbe gilt von den Radien und einem Teil der Ringfäden. Zum Fange dienen ganz allein diejenigen Ringfäden, welche durch winzige Knötchen oder Tröpfchen klebrig sind. An diesen Tröpfchen, von denen ein Kreuzspinnennetz über 100000 besitzt, leimen sich die Insekten beim Anfliegen fest, während die Spinne selbst, welche ja mit ihren wie kleine Taschenkämme geformten Klauen vortrefflich auf den Fäden zu laufen versteht, diese Klebfäden sorgfältig vermeidet. Ein starkes Insekt, etwa eine Wespe oder Hornisse, reißt sich übrigens meist wieder los, oder die Spinne selbst hilft dem ungebetenen Gast dadurch, daß sie einige Fäden abbeißt. Kleinere, die noch nicht recht festgeleimt sind, werden hingegen häufig von der hinzueilenden Spinne schnell mit einigen Fäden umsponnen oder durch einen Biß zur Ruhe gebracht. Die erlegte Beute wird dann meist abseits in einem Schlupfwinkel, der aber seine Verbindung mit dem Mittelpunkte des Netzes hat, in aller Ruhe ausgesogen.
Hans: Sag’ mal, Papa, fangen denn alle Spinnen ihre Beute mit solchem Netz?
Dr. E.: Nein, mein Junge. Es gibt auch recht viele, welche ihre Beute einfach erjagen, und manche ahmen sogar die Katzen nach, indem sie sich im Sprunge auf ihr Opfer stürzen.
Kurt: Die können dann wohl gar nicht spinnen?
Dr. E.: Doch! spinnen können sie auch, aber sie benutzen ihre Kunst zu anderen Zwecken.
Kurt: Und was machen sie damit?
Tapezierspinnen. Wasserspinne