Dr. E.: Eigentliche Spinnen waren das nun gerade nicht, aber sie gehören wenigstens zur großen Klasse der Spinnentiere. Es handelte sich augenscheinlich um ein starkes Auftreten der sogenannten Spinnmilbe,[5] die vor allen anderen Verwandten ihrer Gruppe, den Käsemilben, Holzböcken, Sammetmilben usw., die Fähigkeit des Spinnens voraus hat. Besondern Schaden werden sie wohl nicht angerichtet haben.

Fritz: Kann man denn solche Gespinste zu Gewebestoffen für den Menschen verarbeiten? Ich sollte meinen, so wie den Seidenspinner müßte man doch auch die Spinnen gewissermaßen als Haustiere züchten und ihr Gespinst weiter verwerten können.

Dr. E.: Diesen Gedanken haben natürlich schon andere Leute gehabt, und gerade in jüngster Zeit ist wieder viel die Rede von einer großen madagassischen Spinne,[6] die sehr starke und haltbare Fäden liefern soll. Auf der letzten Pariser Weltausstellung war sogar eine ganze Garnitur Bettvorhänge aus der Seide dieser Tiere zur Schau gestellt. Allein ich fürchte, sehr weit wird man mit derartigen Versuchen wohl niemals kommen. Darf man doch nicht vergessen, daß die Raupe des Seidenspinners ein Pflanzenfresser ist, für welchen wir das Futter, die Maulbeerblätter, in jeder beliebigen Menge herbeischaffen können, während die Spinnen zu den Raubtieren gehören und daher ungleich schwieriger zu ernähren sind, zumal sie die ihnen in der Gefangenschaft dargebotene Nahrung nur selten willig annehmen. Auch von den madagassischen Spinnen wird berichtet, daß sie nach Abgabe ihres Spinnstoffs alsbald eine Weile in Freiheit gesetzt werden müssen, um sich wieder regelrecht satt zu essen. Unter solchen Umständen werden wir unsere Hoffnungen auf Spinnenseide gewiß nicht allzu hoch spannen dürfen. — Die Fäden der heimischen Spinnen finden nur für die sogenannten Fadenkreuze der Fernrohre Verwendung.

Kurt: Soll ich mir denn eine Spinnensammlung anlegen, Vater?

Dr. E.: Das ist jedenfalls nicht so einfach, wie eine Käfer- oder Schmetterlingssammlung. Die Spinnen sind zu weich, um trocken aufbewahrt werden zu können. Man muß sie also in Spiritus sammeln und jede Art in ein besonderes kleines Röhrengläschen tun. Dabei verlieren dann viele ihre Farben. Außerdem gibt es für das Bestimmen nicht solche hübschen Bücher, wie bei den Käfern und Schmetterlingen, mit denen auch schon ein Knabe etwas anfangen kann. Die Spinnen sind eben auch nach dieser Richtung hin von jeher recht stiefmütterlich behandelt worden, und in ganz Deutschland gibt es augenblicklich wohl kaum ein Dutzend Personen, welche sich etwas eingehender mit diesen Tierchen beschäftigt haben. Willst du es aber versuchen und ernstlich an die Arbeit gehen, so will ich dir gern helfen, soweit ich selbst über die vielen verschiedenen Arten unterrichtet bin.

Spinnwarzen

Fuss einer Kreuzspinne.

Dritter Abend.