Fritz: Nein, das würde doch keinen Zweck haben. Aber vielleicht friert ihn?
Dr. E.: Friert ihn? Was sollte denn dabei das Sträuben der Federn nützen? Wird er etwa dadurch wärmer?
Fritz: Das kann man doch wohl behaupten. Wir haben neulich in der Physik gehabt, daß Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, und daß man deshalb eine ruhende Luftschicht häufig anwendet, um die Wärme zurückzuhalten, wie z. B. bei den Doppelfenstern. Da soll es nicht sowohl das dünne Glas, sondern die dazwischen liegende Luftschicht sein, die das Zimmer warm erhält. Wenn nun der Vogel die Federn sträubt, d. h. sie weiter vom Körper abhält, so vergrößert er dadurch die ruhende Luftschicht um seinen Körper, so daß seine eigene Wärme nicht so schnell an die Umgebung abgegeben wird.
Sträuben des Gefieders. „Gänsehaut“
Dr. E.: Bravo, Fritz. Es freut mich, daß du dich nicht irre machen ließest. Deine Erklärung ist vollkommen zutreffend, und jetzt wird mir auch Kurt sagen können, ob wir denn wirklich beim Schlafengehen gar nichts tun, was dem Sträuben des Gefieders beim Vogel entspricht.
Kurt: Ach, dann meinst du wohl das Zudecken?
Dr. E.: Nun siehst du! Da wir keine eigenen Federn haben, so nehmen wir einfach die von unsern Gänsen und schaffen uns damit eine ebensolche Wärme zurückhaltende Schicht, wie sie die Vögel an ihrem Körper selbst herstellen. Ein Vogel führt also gewissermaßen sein Deckbett immer bei sich, so daß er es jeden Augenblick benutzen kann, wenn ihn friert.
Kurt: Aber warum friert ihn denn immer des Nachts?
Dr. E.: Na, Kurt, ich denke, das ist doch eine recht kindliche Frage! Erstens solltest du wissen, daß es nachts immer kühler ist als am Tage, wo die Sonne scheint, und zweitens entwickelt der Körper während der Ruhe lange nicht so viel Wärme, wie während der Bewegung. Wenn du tüchtig gelaufen bist, wirst du bekanntlich so heiß, daß du wie eine Kirsche aussiehst, und wenn du eine Nacht hier auf der Stubendiele schlafen wolltest, so würdest du schon merken, wie dir morgens beim Aufwachen die Zähne klappern. Das alles ist sehr einfach, denn die Wärme unseres Körpers wird eben durch die Arbeit, die er leistet, hervorgerufen. Ist letztere groß, so entsteht viel Wärme, ist sie klein, wie im Schlaf, so entsteht weniger, und wir müssen diese geringere Wärmemenge dann durch bessere Schutzmittel, also durch Zudecken, zu erhalten suchen.
Ich möchte indes, da wir gerade von dem Sträuben des Gefieders gesprochen haben, doch noch die eine Frage an euch richten, wie dieses Sträuben wohl vor sich gehen mag.