Fritz: Da es sich um eine Bewegung der Federn handelt, so werden dazu auch wohl Muskeln nötig sein.
Dr. E.: Gut geraten, Fritz. Wenn wir die Sache genauer untersuchen, so finden wir kleine Muskelbündel, welche in der Haut liegen und sich an den Grund der Federn ansetzen. Durch ihr Zusammenziehen wird der Schaft der Feder, der schräg aus der Haut herausragt, mehr gerade gerichtet, so daß die Federn steiler zu stehen kommen. — Übrigens hatte Kurt vorhin gar nicht so unrecht, wenn er meinte, daß die Vorrichtung bei passender Gelegenheit dazu benutzt werde, sich größer zu machen. Fast alle Vögel sträuben ihr Gefieder auch, wenn sie einem Feinde gegenüberstehen, und zwar, wie wir annehmen, weil sie demselben auf diese Weise mehr Respekt einflößen.
Kurt: Aber machen die Igel und die Stachelschweine es nicht ebenso?
Dr. E.: Gewiß, Kurt. Im wesentlichen haben wir es hier mit derselben Erscheinung zu tun; nur daß diese Tiere durch das Sträuben ihrer Stacheln nicht bloß größer werden, sondern in den starren Borsten zugleich auch Waffen gewinnen. — Doch, da dir der Vergleich mit diesen beiden Säugetieren eingefallen ist, so möchte ich wohl weiter fragen, ob du nicht auch bei Menschen eine Erscheinung kennst, die wir dem Sträuben des Gefieders vergleichen können.
Kurt: Ich weiß nicht recht. Man spricht ja immer vom Sträuben der Haare bei Furcht oder Schreck; ich habe es aber noch nie gesehen, und ich dachte, das wäre wohl Unsinn.
Dr. E.: O nein, mein Junge, das Haarsträuben gibt es ganz buchstäblich, und dir haben sicher die Haare schon viel öfter zu Berge gestanden als du denkst.
Kurt: Nein, Vater, ganz gewiß nicht.
Dr. E.: So? Wie war es denn neulich beim Baden, als es schon so kalt war, daß ich euch eigentlich nicht hinlassen wollte? Hast du denn gar nichts bemerkt, als du zitternd aus dem Wasser kamst?
Kurt: O doch, da habe ich eine gehörige Gänsehaut gekriegt!
Dr. E.: Aha, da haben wir’s ja! Sieh, diese Gänsehaut war weiter nichts als das Sträuben des Gefieders beim Vogel und der Stacheln beim Igel. Deine Härchen auf der Haut sind nur so klein, daß du es gar nicht bemerktest, wie sie sich aufrichteten. Die kleinen Muskelfasern in der Haut aber hatten ihre Schuldigkeit getan und hatten sich um jedes Härchen zu einem kleinen Höckerchen zusammengezogen. Denn dieses höckerige Aussehen der Haut nennt man ja eben die „Gänsehaut“.