Fritz: Aber die „Gänsehaut“ hängt doch nicht von unserem Willen ab?
Dr. E.: Nein, darin hast du recht. Wir können sie allerdings wohl ziemlich willkürlich hervorrufen, wenn wir an etwas recht Kaltes, recht Saures oder recht Furchtbares denken; aber direkt können wir die Haare nicht sträuben. Ob das indes der Vogel so ganz nach Belieben kann, oder ob nicht auch bei ihm gewisse Empfindungen voraufgehen müssen, dürfte recht schwer zu entscheiden sein.
Warum steckt denn aber der Vogel den Kopf zwischen die Flügel, wenn er schlafen will?
Fritz: Sollte er vielleicht den Kopf noch besonders wärmen wollen?
Dr. E.: Möglich ist es, daß auch das Wärmebedürfnis hierbei eine Rolle spielt. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber hat diese Gewohnheit noch einen andern Grund. Es ist eine bekannte Tatsache, daß wir das Einschlafen beschleunigen können, wenn wir die Bettdecke über das Gesicht ziehen. Wir atmen dann einen Teil der eben ausgeatmeten kohlensäurereichen Luft direkt wieder ein; deshalb gelangt durch Mund und Nase weniger Sauerstoff in die Lungen und in das Blut, und das arbeitende Gehirn wird leichter beruhigt. Demnach ist anzunehmen, daß auch beim Vogel dieses Verstecken des Kopfes zwischen die Flügel dazu dient, den Schlaf schneller herbeizurufen und ihn tiefer zu machen. — Übrigens scheint ihr es gar nicht weiter verwunderlich zu finden, daß der Vogel so ganz einfach seinen Kopf zwischen die Flügel steckt.
Kurt: Aber das können doch alle Vögel!
Dr. E.: Freilich können sie es alle; aber hört denn die Sache darum auf, weniger seltsam zu sein? Versuche du es doch einmal, deinen Kopf hinten auf den Rücken zu legen.
Kurt: Ja, das ist nicht möglich, weil unser Hals zu kurz ist.
Dr. E.: Nun, dann bitte mal eine Giraffe, daß sie es tut. Deren Hals ist doch wohl noch etwas länger als der eines Kanarienvogels.
Beweglichkeit des Halses der Vögel. Folgen derselben