Fritz: Der Hals der Säugetiere ist nicht so biegsam, wie derjenige der Vögel.

Dr. E.: Sehr richtig! Und nun entsteht die weitere Frage: Wodurch wird die größere Biegsamkeit beim Halse des Vogels hervorgerufen?

Kurt: Ach, das weiß ich! Der Hals der Säugetiere besteht nur aus 7-8 einzelnen Wirbeln, und diese sind meist durch Knorpelscheiben miteinander verwachsen; der Hals der Vögel aber hat bis zu 22 Wirbel, und diese sind durch wahre Gelenke gegeneinander verstellbar.

Dr. E.: Es freut mich, Kurt, daß du so gut in der Schule aufgepaßt hast. Diese wahren Gelenke der Wirbel des Vogelhalses sind übrigens ganz eigenartig. Ihr solltet sie einmal präparieren, wenn Mama wieder ein Huhn oder eine Gans für die Küche besorgt hat. Die Wirbel sind nämlich nicht in jeder Richtung gegeneinander beweglich, sondern nur nach zwei rechtwinklig zueinander geneigten Richtungen, etwa so, wie ein Reiter im Sattel sich nach vorn und hinten, sowie nach rechts und links biegen kann. Die Gelenke führen daher auch den Namen Sattelgelenke. Ihnen vor allem verdankt der Vogelhals seine große Biegsamkeit, abgesehen davon, daß auch der Kopf viel beweglicher auf dem Halse befestigt ist als beim Säugetier. — Wissen aber möchte ich nun noch, weshalb wohl Säugetiere und Vögel eine so auffallende Verschiedenheit im Bau ihres Halses zeigen.

Fritz: O, das ist doch klar! Der Vogel soll mit seinem Schnabel die Nahrung vom Boden picken, sich verteidigen und sein Nest bauen, und darum muß der Kopf so beweglich sein.

Dr. E.: Ja, warum muß er denn das alles mit dem Schnabel machen?

Kurt: Womit sollte er’s denn sonst machen? Er hat ja keine Hände!

Dr. E.: Na, das ist nun etwas über das Ziel hinausgeschossen, denn die Hunde, Schweine, Pferde usw. haben auch keine Hände. Aber im Grunde hast du recht. Die Vögel gleichen gewissermaßen einem Menschen, dem beide Arme fehlen, und der daher sehen muß, wie er sich mit seinen Füßen und seinem Munde behelfen kann. Denn die Flügel sind als Apparate zum Greifen, Festhalten, Scharren, Graben, Klettern und was sonst noch alles mit den Vorderbeinen von den Säugetieren geschieht, völlig untauglich geworden. Dafür haben sie denn allerdings die schönste Kunst eingetauscht, die von jeher den Neid der Menschen erregt hat, die Kunst des Fliegens.

Hans: Aber sag’ mal, warum haben denn die Vögel außer den Flügeln nicht doch noch Arme?

Kurt: O Hans, das ist doch klar! Alle Wirbeltiere haben eben nur vier Beine, zwei vordere und zwei hintere. Bei den Vögeln entsprechen die Flügel den Vorderbeinen, wie man aus den Knochen noch deutlich erkennen kann. Es wäre also gar nicht zu begreifen, wo nun plötzlich noch ein zweites Paar Vorderbeine herkommen sollte.