Dr. E.: Und doch verhält es sich so, wie ich sage. Freilich sitzen diese falschen Zähne nicht im Munde, wie du wohl vermutet hast. Im Schnabel können die Körner nicht zerkleinert werden; so ist denn das eigentliche Kaugeschäft direkt in den Magen verlegt. Die Wände desselben sind demzufolge nicht dünn, wie bei uns, sondern dick und fleischig, wie ihr das sehr schön am Gänsemagen sehen könnt. Innen ist der Magen mit starken Hornplatten belegt, welche mit Hilfe der Muskelwände gegeneinander gerieben werden. Bis soweit ist alles in Ordnung und von künstlichem Gebiß keine Rede. Jetzt aber kommt das Drollige. Die Hornplatten scheinen die Aufgabe des Zerreibens der Körner so für sich allein doch nur mangelhaft ausführen zu können. Darum sucht der Vogel sich Kieselsteine und verschluckt sie. Diese spielen nun im Magen die Rolle unserer Zähne oder, wenn ihr lieber wollt, von Mühlsteinen, zwischen denen das Korn mit Hilfe der Muskelwände und der Hornplatten zerrieben wird.

Fritz: Dann ist also der Strauß gar nicht so dumm, wie man immer meint, wenn er Glas und Kieselsteine frißt.

Dr. E.: Nein, es ist nur der Unverstand der Menschen, der ihn deswegen lächerlich machen will. Hat man doch beobachtet, daß ein gefangener Strauß, trotz reichlicher Nahrung in seinem Magen, verhungern mußte, weil man auf dem Schiff nicht daran gedacht hatte, ihm das nötige Kauwerkzeug, also Kieselsteine, mit in seinen Käfig zu geben.

Kurt: Das hätte ich aber doch nicht gedacht, daß an einem Vogel noch so vieles zu lernen wäre!

Dr. E.: Das nennst du schon „vieles“? Ich meine, was wir besprachen, bezog sich doch eigentlich nur auf die Absonderlichkeiten, die unser schlafender Kanarienvogel darbot. Wollten wir auch seinen übrigen Körper, seine Flügel, Augen, Ohren, seine Stimme und seine inneren Organe näher betrachten, wir würden noch ungleich mehr finden, was eure Verwunderung erregen würde. Doch davon vielleicht ein andermal. Am Ende klingen unserm armen Hänschen schon die Ohren, daß wir soviel von ihm gesprochen haben.

Skelett des Canarienvogels.

Sechster Abend.

Dr. E.: Nun, Kurt, wie steht’s? Habt ihr eure Schlittschuhe schon bereit gemacht? — Ich glaube, wenn es so weiter friert wie heute abend, haben wir in zwei Tagen Schlittschuhbahn.