Dr. E.: Gewiß kann der Fisch mit den Muskeln seiner Körperwand die mit Luft gefüllte Schwimmblase zusammendrücken, ganz ähnlich, wie wir unsern Bauch einziehen können. Auch ist es keine Frage, daß dadurch der Raum, den der Fisch einnimmt, verkleinert, er selbst also „spezifisch“ schwerer wird und im Wasser zu sinken beginnt. Seltsamerweise besitzen aber manche Fische, wie die Haie und Schollen, einen solchen Apparat gar nicht, ohne deshalb weniger zum Auf- und Niedersteigen im Wasser befähigt zu sein. Die Schwimmblase mag daher ein Hilfsorgan für diese Tätigkeit sein; schwerlich aber ist sie die alleinige Ursache.
Fritz: Warum meintest du denn vorhin, daß ein Sichverirren der Fische bei diesem Auf- und Niedersteigen nicht anzunehmen sei? Kann der Fisch, wenn er einmal im Emporsteigen ist, es so genau abmessen, bis zu welcher Grenze ihm dies nichts schadet?
Dr. E.: Ich glaube, daß wir dies von vornherein ganz gut annehmen können. Ein Luftschiffer merkt ja auch an den immer stärker werdenden Beschwerden, daß er sich in eine zu große Höhe gewagt hat. Beim Fisch wird das noch viel mehr der Fall sein, denn er besitzt, wie es scheint, sogar einen eigenen Sinn für die Empfindung des auf ihm lastenden Wasserdrucks.
Kurt: Einen besonderen Sinn außer den bekannten fünf? Da bin ich doch neugierig, wo der wohl sitzen mag.
Dr. E.: O, das kann ich dir gleich zeigen, wenn du nur den Goldfisch hierher zur Lampe holst. Siehst du wohl die eigentümliche, wie aus kurzen Längsstrichen zusammengesetzte Linie, welche an jeder Seite des Körpers ziemlich in der Mitte vom Kopfe bis fast zur Schwanzflosse verläuft?
Hans: Ja, wahrhaftig. Man sieht es ganz deutlich, wenn er an der Wand des Glases entlang schwimmt.
Kurt: Und das soll ein Sinnesorgan sein?
Dr. E.: Ein Sinnesorgan jedenfalls. Sieh, die kleinen Striche, die man da bemerkt, sind in Wirklichkeit kleine Kanälchen, welche schräg je eine Schuppe durchbohren und dann in einen größeren Längskanal münden, der unter der Haut verläuft. Die Wandung desselben ist ganz von feinen Nerven umsponnen, die hier endigen. Durch die kleinen Strich-Kanälchen kann nun das Wasser, in dem der Fisch schwimmt, in das Innere des großen Längskanals eindringen. Jeder stärkere Druck des äußern Wassers muß sich daher bis auf die Flüssigkeit in diesem Längskanal und somit auch auf die feinen Nerven, die ihn umspinnen, fortpflanzen.
Kurt: Das ist aber eine gediegene Einrichtung! Davon habe ich noch gar nichts gewußt. Wundern tut es mich nur, daß bei den Fischen alles so ganz anders ist, wie bei den übrigen Wirbeltieren. Erst die Schwimmblase, und jetzt dieses Druckprüfungsorgan oder wie es sonst heißt.
Schwimmblase und Lunge