Dr. E.: Ja. Und wenn es dir Spaß macht, kannst du dich leicht davon überzeugen. Du brauchst nur an einen Sumpf zu gehen, auf dessen Grunde viele Pflanzenstoffe vermodern, und den Boden mit dem Stock aufzurühren. Dann steigen eine Menge Gasblasen aus der Tiefe empor.
Kurt: Aber die kann ich doch nicht anstecken.
Dr. E.: Wenn du sie einsammelst, warum nicht? Nimm also eine Flasche und einen Trichter mit. Die Flasche füllst du bis oben mit Wasser und steckst den Trichter drauf. Dann drehst du die Flasche unter Wasser um, so daß der Trichter nach unten kommt, und suchst nun die einzelnen Blasen im Wasser mit dem Trichter zu fangen. Sie steigen in der Flasche empor und verdrängen nach und nach das Wasser. Ist die Flasche voll Gas, wird sie unter Wasser fest zugekorkt. Zu Hause werden wir dann sehen, daß das eingefangene Gas brennbar ist; es führt den Namen Sumpfgas. Man muß sich indes hüten, es mit Luft zu mischen, da es sonst eine Explosion geben kann.
Doch jetzt werden wir am Ende so weit sein, daß wir die Entstehung der Kohle begreifen können. Also erste Frage: Sind die Kohlen dadurch entstanden, daß die Pflanzen, aus denen sie sich bildeten, einfach an der Luft vermoderten?
Fritz: Nein, denn dann würden diese Pflanzen durch den Sauerstoff der Luft sich schließlich ganz zu Asche zersetzt haben. Kohle setzt immer den Mangel von Sauerstoff voraus.
Dr. E.: Gut. Nun weiter, zweite Frage: Sind die Kohlen durch Einwirkung von Hitze entstanden?
Fritz: Ja, das wäre möglich, etwa durch die Wärme des Erdinnern. Die Pflanzen lagen schon so tief unter der Erde, daß keine Luft mehr daran kommen konnte. So mußte durch die Hitze eine ähnliche Zersetzung vor sich gehen, als wenn Holz bei Luftabschluß in eisernen Zylindern erhitzt wird.
Dr. E.: Bei dieser Annahme wäre es zunächst unverständlich, wie die betreffenden Pflanzen so tief unter die Erde gelangt sein sollten, daß die Luft sie nicht mehr erreichen konnte. Sodann aber hast du etwas außer acht gelassen, was deine ganzen Schlüsse über den Haufen wirft. Wenn wir Holz bei Luftabschluß erhitzen, so bleibt reine Holzkohle übrig; alle gasförmigen und flüssigen Zersetzungsprodukte hingegen sind aus dem Zylinder gewichen. Diese Holzkohle besteht also nur aus Kohlenstoff und Aschenteilen; durch kein Erhitzen kann ich noch Gas oder Teer heraustreiben. Wenn ich hingegen Steinkohle in dem eisernen Zylinder erhitze, so erhalte ich, wie ihr wißt, eine große Menge Leuchtgas, Gaswasser oder Teer, ganz ähnlich, als wenn ich unversehrtes Holz genommen hätte. Erst nach geraumer Zeit besteht das, was in dem Zylinder zurückbleibt, ebenfalls nur aus Kohlenstoff und Aschenteilen.
Kurt: O, das kenn’ ich, das ist der Koks!
Dr. E.: Ja, so nennt man den Stoff, der beim Erhitzen von Steinkohlen beim Luftabschluß übrigbleibt. Wenn wir in unsern Bergwerken Koks fänden, d. h. also eine Kohle, die beim Erhitzen kein Gas und keinen Teer mehr von sich gibt, so könnten wir sagen, die Pflanzen früherer Zeiten sind durch Hitze unter Luftabschluß in Kohle verwandelt worden. Jetzt aber, wo tatsächlich in den Stein- und Braunkohlen noch so viel Gas und Teer steckt, dürfen wir sie unmöglich mit den Holzkohlen vergleichen, sondern müssen vielmehr schließen, daß größere Hitze nicht eingewirkt hat. Sonst wären sicher die Gase und Flüssigkeiten völlig entwichen.