»Sprich.«
»Verweigerst du mir noch immer das Versprechen, keinen Fluchtversuch zu unternehmen?«
»Ich bin kein Lügner und sage dir daher aufrichtig, daß ich fliehen werde, sobald sich mir eine Gelegenheit dazu bietet.«
»Du wirst keine solche Gelegenheit finden; aber du zwingst mich, strenger mit dir zu verfahren, als ich möchte. Ich werde zwei Tage lang nicht an Bord sein; du darfst während dieser Zeit deine Kammer nicht verlassen und wirst mit gebundenen Händen unten liegen.«
»Das ist hart.«
»Ja; aber du trägst selbst die Schuld.«
»Ich muß mich fügen.«
»So kannst du gehen. Merke dir jedoch, daß ich Befehl geben werde, dich sofort zu töten, wenn du den Versuch machst, deine Fesseln wegzunehmen. Wärest du ein Rechtgläubiger, so würde ich dich bitten, mein Freund zu sein. Du bist ein Giaur, aber ich hasse und verachte dich nicht. Ich hätte deinem Versprechen Glauben geschenkt; du willst es aber nicht geben, und so mußt du nun die Folgen tragen. Gehe jetzt nach unten!«
Ich wurde unter Deck geführt und dort eingeschlossen. Es war eine Pein, bei der da unten herrschenden Glut gefesselt liegen zu müssen; aber ich fügte mich darein, trotzdem mein Wächter seiner Rachsucht dadurch Genüge geschehen ließ, daß er mir weder Speise noch Trank brachte. Ich hoffte auf Halef, und zwar mit einer Spannung, wie ich sie so groß noch selten empfunden hatte. Meine Lage wurde dadurch, daß ich mich im Dunkeln befand, natürlich nicht verbessert. Ich hatte El Asr, El Mogreb und El Aschia beten hören; dann war eine lange, lange Zeit vergangen, und es mußte weit über Mitternacht sein, als ich endlich draußen vor meiner Thür ein leises Geräusch vernahm.
Ich horchte angestrengt, vermochte aber nichts mehr zu hören. Sprechen durfte ich auf keinen Fall. Vielleicht war es auch bloß eine Ratte gewesen.