Dadurch gewinnt der Kampf, den Emil Strauß im Jahre 1917 begann, ein neues Gesicht.
Er ließ alle Bedenken fallen. Lebte in einer Welt, die keine war. In einem Schema, einem Irrgarten, in dem man Verbrechen rächt, die gestraft werden sollten. Strafen treiben ihn nur noch weiter.
Wie ein Hohn klingt es, wenn man bedenkt, daß er zur Erlangung guter Einbrecherwerkzeuge in das Kriminalmuseum selbst einbricht und sich mit allem versieht, was er zu seinem Erwerb braucht. Aus der Motivierung dieses Einbruches, die er der Polizei gibt, erhellt ohne weiteres, daß er sich seiner Überlegenheit voll bewußt ist und er unterstreicht doppelt die Ironie, die er den Behörden gegenüber immer an den Tag legte. Er sagte nämlich: „Wenn Ihr schon ein so hübsches Museum einrichtet und Reklame dafür macht, müßt ihr auch gestatten, daß wir es auch mal besuchen und uns anschaun.“
Dieser Diebstahl hat ihm die Sympathie der Behörden verscherzt. Diese fühlten sich irgendwie in ihrer Ehre gekränkt und hetzten jetzt mit allen Mitteln hinter ihm her. Es gelang ihnen zunächst, des Schwächeren, des Bruders, habhaft zu werden.
Erich befindet sich im Polizeipräsidium. Steht in Bewachung eines Polizisten auf einem der Korridore. Verhör auf Verhör, alle Fallen vermochten ihn nicht zu fangen. Er wird den Namen, den Aufenthalt seines Bruders nicht nennen und wenn sie ihn in Stücke reißen. Mit dem Instinkt des Blutes, das in ihnen lebendig, hüten sie den Namen ihrer Freunde, als sei es ihr eigener.
Erich wartet.
Da nähern sich Schritte über den hallenden Korridor. Ein hoher Mann in der Uniform eines Justizwachtmeisters tritt an den Häftling und dessen Begleiter heran, weist sich aus, übernimmt den Gefangenen, um ihn zum Untersuchungsgefängnis zu transportieren.
Die beiden verlassen das Präsidium, verlassen die Straße, die Stadt, sie sind wie vom Erdboden verschwunden. Es war niemand anders als Emil, der diesen Geniestreich ausheckte und durchführte.
Einem Hauptmann von Köpenick gelang es, die willenlosen, militärisch subordinierten Seelen einfacher Soldaten im Vertrauen auf die Allmacht der Uniform zu düpieren und ganz Europa in heiterstes Gelächter zu versetzen. Er lief weiter keine Gefahr, als daß er wegen Diebstahls eingelocht wurde. Hatte sonst ein reines Gewissen und Humor.
In diesem Falle aber mußte alles klappen oder alles war verloren. Denn gerade ihn suchten sie. Hinter diesen Türen lauerten seine schlimmsten Feinde. Irgendeine dieser Türen brauchte sich zu öffnen. Irgendein Blick dieser scharfen Augen seine Miene bloß zu streifen ... und beide waren verloren. Da gab es keine Wehr und kein Entrinnen.