Aber das Unmögliche gelang. Alle Berechnungen stimmten. Die Korridore lagen leer und unbewacht, die Menschen, die ihm begegneten, hielten ihn für einen Kollegen und grüßten womöglich. Aus ureigenstem Studium kannte er Schritt und Haltung eines Justizbeamten. Mit ewig geneigtem Kopf, der von Namen und Daten und Zahlen und Terminen raucht, schreitet der so Beamtete hastig und doch schlendernd seines Wegs.

Natürlich hatte er seine Helfer. Denn fragen durfte er nicht. Er mußte wissen, daß um zwölf Uhr mittags da und da der Beamte mit dem Gefangenen Erich Strauß auf den Abtransport warten würde.

Blieb nur das Problem der eigenen Haltung.

Die Uniform stimmte. Die Papiere ebenfalls.

Und seine Nerven hatte er in der Gewalt. Das Bewußtsein seiner Überlegenheit und seiner Mission ließ Zweifeln oder Angstgefühlen, nicht einmal klaren Gedanken über die Möglichkeit des Mißlingens Raum.

Es mußte sein, und so kannte er weder Furcht noch Zaudern. Übernahm ordnungsgemäß seinen geliebten Bruder und entführte ihn.

Allerdings nicht lange.

Denn jetzt setzten die Behörden alles in Bewegung. Es gab einen Kampf um die Ehre, Mann gegen Mann. Wer der Stärkere war.

Natürlich konnten sie diesem Ansturm nicht lange widerstehn. Das Gericht machte ihnen kurzerhand den Prozeß und schickte sie auf zehn Jahre oder mehr nach dem Zuchthaus.

Hier ist nun der Ort, wo eigentlich das Leben des Emil Strauß und seines Bruders, die beide nur ein einziges bilden, mit doppelten und dreifachen Gliedern und Kräften sozusagen, seinem Höhepunkt entgegenreift.