VI.
Dieses Kapitel möchte man überschreiben: Auf dem Gipfel der Macht. Der Beschreibung der Eleganz und guten Manieren dieses Philosophen unter den Einbrechern möchte ich zunächst die etwas tragischere seines Schattenbildes angliedern. Gleichfalls von Herrn Dr. Loewenthal-Landegg entworfen:
„Dann, nicht lange darauf war’s, in einer kleinen Kneipe in NO ...
An einem im Halbdunkel stehenden Tische saß Emil Strauß in einem größeren Kreise gleichaltriger Leute. Wieder fiel mir sein tadelloses Äußere auf und die Ruhe seines Wesens; ein auffallender Kontrast zu der unsteten, wüsten Umgebung. Nichts störte die gediegene Note der Erscheinung ... keine unmögliche Krawatte und kein greller, schreiender Velourhut, wie ihn sonst die Männer vom Brecheisen und Dietrich tragen, wenn sie in Zivil gehen.
Er schien mich sofort zu erkennen. Nur ein kurzes, unmerkliches Nicken sagte mir, daß er auf meine Verschwiegenheit rechnete. Stumm saß er, ohne an den Gesprächen und Zoten der Gefährten teilzunehmen. Allein die beweglichen Augen sprachen und durchforschten jeden der Anwesenden und Kommenden. Sein Glas mit schalem Bier stand unberührt die halbe Nacht. Er nippte nicht einmal daran. Die um ihn behandelten ihn mit eigenartiger Scheu, wie einen Ehrengast, den man achtet.
Später sammelten sie für einen, der „alle“ geworden war, und dessen hungernde Familie. Jeder von den Männern und ihren Bräuten gab etwas. Er aber leerte ohne Besinnen die ganze Brieftasche auf den Haufen, und ehe sie noch etwas dazu sagen konnten und wollten, verschwand er schnell hinaus in die Nacht.“
Hier ist das eigentliche Milieu dieser letzten Verwandlung des vielseitigen und unruhigen Geistes.
Von Freund zu Freund lief er jetzt und sammelte Material. Geht zum Anwalt, um ihn zu konsultieren. Beschreitet gewissermaßen den Rechtsweg wie ein Herr, der zu verlangen hat. Ein Verbannter.
Es gibt keine andere Möglichkeit als die Gewalt.
Ringsum nur Gefahren. Die Häscher sind ihm unablässig auf den Spuren. Aber er kennt weder Müdigkeit noch Furcht.