Die Strickleiter saust durch die Luft und hakt fest an den Zacken des Gitters. Er steht im wohlbekannten Hof vor dem mächtigen eisernen Tor. Es wird aufgesprengt. Mit einer fabelhaften Präzision und Ruhe muß eine Tür nach der andern seiner Wut und Entschlossenheit weichen. Schließlich steht er vor der Zelle des Bruders. Auch diese Tür wird aufgestemmt.
Jetzt gilt es, zu zweit den gleichen Weg zurückzulegen.
Kein Wärter begegnet ihnen – keine Alarmglocke heult durch das Haus.
Auch dieses Wunder gelingt. Erich wird eingekleidet. Dann marschieren die vier Männer fünf Stunden durch die Nacht zu einem kleinen Bahnhof und gelangen unbehelligt nach Berlin zurück.
Die Morgenblätter sind bereits voll von dieser verwegenen Tat. Die Polizei verdoppelt ihre Anstrengungen. Die Stadt hat die beiden aufgenommen. Verschluckt.
Wenige Tage der Ruhe aber genügen, um den Eifer der beiden zu verdoppeln.
Sie inszenieren den kühnsten ihrer Einbrüche, den verwegensten, den Berlin vielleicht je erlebte. In der Nacht vom zweiten zum dritten Dezember 1919 rauben sie das Seidenhaus der Firma Dressel in der Niederwallstraße zu Berlin aus.
Am Samstag, dem zweiten Dezember, lassen sich die beiden in dem zum gleichen Häuserblock, aber auf der abgekehrten Seite liegenden Gymnasium einsperren. In der Nacht klettern sie über die Dächer der Nachbarhäuser auf das Dach des Warenhauses. Mit einer Strickleiter gelangen sie in die Höhe des Warenlagers. Drücken ein Fenster ein.
Fast vor den Augen der Wächter.
Gelangen in das Innere des Hauses und räumen die dort aufgespeicherten Schätze zusammen. Verschnüren sie zu Ballen.